Krieg in der Ukraine

«Manche kommen jeden Tag, um passende Schuhe zu finden»

Die Heilsarmee hat eilig eine Kleiderabgabe für Ukraine-Flüchtlinge aufgebaut. Nach sechs Wochen zeigt sich: Die Nachfrage ist immer noch gross. Es droht sogar ein Engpass bei den Kleidern.

Detailhändler könnten Überschüsse von letzter Saison zur Verfügung stellen, wünschen sich die Verantwortlichen der Heilsarmee für die Abgabestelle in Zürich (Bild: PD)

Sie reisen an aus Zürich, aber auch aus Bern oder Schaffhausen: Pro Tag kommen 150 bis 200 Personen in die Kleiderabgabe der Heilsarmee nahe dem Bahnhof Zürich Hardbrücke. Das berichtet Nicolaas Koekoek, der das Projekt für die Heilsarmee betreut. Insgesamt 2'800 Gutscheine für Kleider wurden schon eingelöst, mit jedem können maximal zehn Kleidungsstücke bezogen werden. Gerade im Moment sei die Nachfrage nochmal höher, so Koekoek. Er vermutet, dass viele jetzt kommen, solange der ÖV für die Geflüchteten aus der Ukraine noch gratis ist. Ab Juni müssen sie die Billette bezahlen, das macht für einige die Anreise unerschwinglich.

Die Nachfrage ist so gross, dass die Heilsarmee fürchtet, bald zu wenige Kleider zu haben. Deshalb habe man 60 Kleiderläden und Detailhändler angefragt, ob sie Kleider spenden würden, etwa aus der letzten Saison. «Aber wir haben bisher noch keine einzige Rückmeldung erhalten. Da hatten wir uns doch etwas mehr erhofft», bedauert Koekoek. Dabei sei die Verzweiflung bei manchen Geflüchteten gross. Einige Personen seien jeden Tag wiedergekommen, etwa um passende Schuhe zu finden. Er erzählt von einer Frau, deren Füsse von zu kleinen Schuhen wundgescheuert waren.

«Die Leute sind unglaublich dankbar. Einige fallen sogar auf die Knie.»

In solchen Fällen würden die Mitarbeitenden für diese Personen passende Stücke zur Seite legen, so Koekoek. Dafür seien die Leute unglaublich dankbar. Einige würden sogar auf die Knie fallen, um danke zu sagen. «Wir wissen manchmal gar nicht, wie wir damit umgehen sollen. Wir wollen doch nur helfen.» Er ist mittlerweile der einzige Vertreter der Heilsarmee bei der Kleiderabgabe. Ausser zwei Sicherheitsleuten sind alle anderen Mitarbeiter Geflüchtete, die sich hier freiwillig engagieren,

Die Stimmung sei sehr gut, betont Koekoek. Kinder spielen, während ihre Eltern Kleider suchen. «Aber man merkt, dass die Menschen Streit vermeiden wollen. Wenn eine Situation stressig wird, gehen sie einfach weg.»

Der Andrang ist im Moment besonders gross, denn die Geflüchteten können den ÖV nur noch bis Ende Mai gratis benutzen. (Bild: zVg)

Die Belastung sei für viele hoch. Koekoek erwähnt etwa Geflüchtete, die aus einem Drittstaat stammen und in der Ukraine gelebt haben, jedoch keinen ukrainischen Pass besitzen. Diese haben auch lange nach ihrer Ankunft in der Schweiz noch keine staatliche Unterstützung erhalten. «Sie sitzen einfach im Haus, weil alles andere zu teuer ist.» Deshalb will die Heilsarmee nun auch andere Angebote initiieren, wie etwa Wanderungen oder Ausflüge. Koekoek betont, dass man eng mit den Geflüchteten zusammenarbeite. «Wir wollen nicht einfach leiten, sondern die Menschen begleiten.»

«Wir wollen das Angebot weiterführen. Dann werden die Kleider jedoch voraussichtlich etwas kosten.»

Die Kleiderabgabestelle in Zürich läuft noch bis Ende Juni. Bis dann kann die Heilsarmee das Gelände benützen. Danach wolle man das Angebot nach einer Sommerpause vielleicht weiterführen. Jedoch würden die Kleider voraussichtlich etwas kosten, so Nicolaas Koekoek. Denn die meisten Geflüchteten sollten bis dann finanzielle Unterstützung erhalten. Die Preise wären allerdings sehr moderat. Und für verzweifelte Neuankömmlinge soll es weiterhin Gratis-Kleider geben.