Asylrecht
Luzerner Ethiker fordert mehr Aufnahmebereitschaft in Europa
Die Europäische Union hätte laut dem Luzerner Ethiker Peter G. Kirchschläger genügend Ressourcen, um deutlich mehr Menschen auf der Suche nach Asyl aufzunehmen. In einem neuen Fachaufsatz argumentiert der Professor der Universität Luzern, das Recht auf Asyl sei ethisch zwingend begründbar. Geflüchtete dürften nicht zu Sündenböcken gemacht werden.
Im wissenschaftlichen Journal «De Ethica» analysiert Kirchschläger Fragen rund um Asylrecht und Migration aus ethischer Perspektive. Dabei verweist er auf Zahlen der EU-Asylagentur: 2024 hätten knapp 981'000 Menschen in der Europäischen Union Asyl gesucht. Verteilt auf die mehr als 86'000 Gemeinden in der EU entspreche dies rechnerisch rund zwölf Personen pro Gemeinde.
Für Kirchschläger zeigt diese Rechnung, dass genügend Platz und Mittel vorhanden wären, um mehr Menschen Schutz zu bieten. Gleichzeitig stellt er die Kosten für Asyl und Migration den hohen Einnahmeverlusten durch internationale Steuervermeidung gegenüber.
Der Theologe begründet seine Position mit dem von ihm entwickelten ethischen Entscheidungsmodell «SAMBA». Dieses komme zum Schluss, dass das Recht auf Asyl universell und unveräusserlich sei. Dies gelte unabhängig davon, wie Staaten einzelne Schutzsuchende beurteilen. Auch die Unterscheidung zwischen Flucht und Migration hinterfragt Kirchschläger in seinem Beitrag kritisch.
Besonders wichtig sei ihm, Menschen auf der Suche nach Schutz nicht zu Sündenböcken zu machen. «Menschen, die Asyl suchen, sind nicht das Problem», sagt Kirchschläger. (dst)