Swiss Church in London

«Wir können uns keine roten Zahlen mehr leisten»

Der Beschluss an der Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) fiel einstimmig: Die Swiss Church in London ist eine Partnerkirche der Reformierten in der Schweiz. Im Interview erzählt Pfarrer Manuel Zimmermann Grey, was das bedeutet und ihn momentan umtreibt.
Kurz nach der Synode erhielt Manuel Zimmermann Grey, Pfarrer der Swiss Church in London, eine Assoziierungs-Urkunde von der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) überreicht. Foto: Christoph Knoch

Herr Zimmermann Grey, was beschäftigt Sie aktuell?
Dieses Wochenende fand die zweite Ausstellung unseres Homeless Arts Clubs statt. Diesmal mit noch grösserer Ausstrahlung, weil das Big Issue Magazine, eine Strassenzeitung, als Partner mit dabei war. 14 Künstlerinnen und Künstler mit Obdachlosen-Erfahrung stellten ihre Werke aus.

Wie steht es um die finanziellen Mittel?
Wir werden unser Defizit gegenüber dem letzten Jahr massiv reduzieren können. Doch die Lage ist ernst. Wir können uns ab spätestens nächstem Jahr keine rote Zahlen mehr leisten. Deswegen haben wir im Januar 2025 die Grösse des Teams reduziert. Das Kunstprogramm wird nun auf Projektbasis weitergeführt sofern externes Funding vorhanden ist.

Wird also beim Kunstprogramm gespart?
Nein, es gilt für alle Aktivitäten: Wenn wir sie uns nicht leisten können, machen wir sie nicht. Bei der jetzigen Ausstellung kam externes Funding dazu durch die grossartige Arbeit der Verantwortlichen. So können wir es schaffen, vieles davon weiterzuführen.

Was möchten Sie 2026 erreichen?
Wir fokussieren auf die Familien. Wir führen bereits den Samichlaus-Anlass durch, der jedes Jahr ausverkauft ist. Nach einem Gottesdienst isst man zusammen zu Mittag, danach wird die Weihnachtsgeschichte aufgeführt. Der Samichlaus kommt, es wird gebastelt und es werden Räben geschnitzt. Anschliessend gibt es eine Parade durch den Covent Garden, wo Mundart- und englische Lieder gesungen werden.

Das Ziel ist, solche Events für Schweizer Familien monatlich durchzuführen und auf diese Weise die Kirche zu erneuern. In London Schweizerdeutsch zu sprechen ist etwas Spezielles. Statt ins Heimatland zu reisen, kann man zu uns kommen. Das hilft auch den Kindern, um den Dialekt zu üben, weil einige vielleicht wieder in die Schweiz zurückkehren. Die Mehrheit unserer Mitglieder hat den Schweizer Pass oder einen Schweizer Partner.

Zur Person

Der 30-jährige Manuel Zimmermann Grey ist seit September 2024 interimistischer Nachfolger von Carla Maurer, die rund elf Jahre Pfarrerin an der Swiss Church war. Zimmermann Grey hat an der Universität Bern evangelische Theologie studiert. Er ist mit der britischen Theologin Carmody Grey verheiratet und lebt seit Ende 2023 in England. (gab)

Sie sind stark im Berner Oberland verwurzelt. Wie oft sind Sie noch in der Schweiz?
Alle paar Monate. Wir haben das Interrail entdeckt. Meine Frau ist Engländerin und wir sind beide stark an unseren Heimatorten verwurzelt. Doch Gott sei Dank lieben beide das jeweils andere Land, das macht unsere Welt gegenseitig grösser.

Was bedeutet die Assoziierung der EKS für die Swiss Church in London?
Es lässt uns die Frage, wer wir sind, einfacher beantworten und schafft so mehr Klarheit. Die Assoziierung ist die einzige institutionelle Anbindung, die wird haben. Wir sind aus dem ökumenischen Weltall zurückgekehrt, wie es einer der Synodalen ausgedrückte. Damit wurde eine alte Partnerschaft formalisiert. Bereits 1854 für den Bau des jetzigen Kirchengebäudes und für den Wiederaufbau des Gebäudes nach dem zweiten Weltkrieg floss Geld von der Schweiz nach England.

Inwiefern können die Reformierten hierzulande von der Swiss Church profitieren?
London ist eine faszinierende Stadt, das Christentum mit alle seinen Ausprägungen floriert hier. Wir können im Rahmen von Gemeindereisen Zugänge zeigen. Bisher bieten wir ein Nachmittagsprogramm für Konfirmationsgruppen aus der Schweiz an. Gerne werden wir Führungen für Reisegruppen jeden Alters ins Programm aufnehmen.

Die Swiss Church hat keine staatsrechtliche Anbindung, kann also keine Kirchensteuern eintreiben. Erhofft man sich durch die Assoziierung mehr Erfolg bei der Suche nach Spenden?
Die Verbundenheit mit den Schweizer Reformierten kann für uns Vor- und Nachteile beim Fundraising haben. Etwa, wenn wir nicht-christliche Stiftungen um Unterstützung anfragen. Aber das nehmen wir gerne in Kauf. Wir hoffen natürlich, dass die Vorteile überwiegen und die kirchlichen Unterstützenden aus der Schweiz wissen: die Swiss Church gehört dazu.

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