Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Was sind die Antworten der Kirche auf die Klimakrise? Und welche Formen von Einsamkeit gibt es? Dies und mehr in den Fachbuch-Tipps von «bref», dem Magazin der Reformierten.

Klima, Kirche, Krise

Der Titel «Gott in der Klimakrise» mag irritieren. Denn bei der Lektüre wird rasch klar, dass es weniger um eine höhere Macht geht als vielmehr um menschliche Erfahrungen mit der Schöpfung. Darum, wie Menschen ihre Gottsuche nicht selten mit Naturerfahrungen verbinden – und sich zugleich Umweltzerstörung und klimatischen Veränderungen stellen müssen. Deutlich wird dabei, dass die Klimakrise nicht nur ökologische und gesellschaftliche Implikationen hat, sondern dass durch sie auch Glaubenswahrheiten und Gottesbilder erschüttert werden.

Mit ihrem Buch wollen die Herausgeber David Plüss und Sabine Scheuter daher der Frage nachgehen, inwiefern die bisherigen Antworten von Kirche und Theologie auf drängende Umweltfragen noch taugen. Die versammelten sechzehn Beiträge sind eine Mischung von biblisch-theologischer Einordnung, kirchenpolitischen Zielen sowie Praxisideen. So finden sich Kapitel zu Foodsave-Banketten, zu grüner Spiritualität oder dem Verhältnis von Feministischer Theologie und Ökologie. Diese Breite hilft bei der Klärung der eigenen Grundlagen. Da die Herausgeberschaft aber nicht bei der Problemanalyse stehen bleibt, sondern ebenso Visionen Raum gibt, zeigt «Gott in der Klimakrise» zugleich mögliche Handlungsoptionen auf.

David Plüss, Sabine Scheuter (Hg.): «Gott in der Klimakrise. Herausforderungen für Theologie und Kirche». TVZ, Zürich 2021; 204 Seiten; 26 Franken.

Kontinent Einsamkeit

Einsamkeit als Massenleiden, das sich durch die Corona-Pandemie verstärkt hat – von dieser These gehen Johann Hinrich Claussen und Ulrich Lilie in ihrer Neuerscheinung «Für sich sein. Ein Atlas der Einsamkeiten» aus. Die Autoren bedauern, dass das Thema oft schambesetzt ist und wenig zur Sprache kommt. Mit ihrem Atlas suchen sie darum Zugang zum Kontinent Einsamkeit, den viele zu kennen scheinen, der aber wenig erforscht ist.

Der Aufbau des Buches orientiert sich an den drei englischen Begriffen für Einsamkeit : «solitude», «loneliness» und «isolation». Im Kapitel «solitude» begegnen die Leser Menschen, die sich zurückgezogen haben, um ihr Glück oder Seelenheil zu finden, beispielsweise Eremitinnen. Anhand des portugiesischen Musikstils Fado wird im Folgenden «loneliness» in Melodien und Rhythmen ausgelotet. Im anspruchsvollsten Kapitel, «isolation», gehen die Autoren unter anderem auf den Propheten Jeremia ein oder beleuchten die Flucht einer kurdischen Syrerin aus Aleppo. Der letzte Teil des Buches widmet sich schliesslich Menschen und Projekten, die andere beim Weg aus einer unfreiwilligen Einsamkeit unterstützen. Mit all diesen Beispielen spannen die Autoren weite Bögen über Kulturen und Zeiten hinweg. Die Zugänge zeigen eindrücklich, wie vielfältig Formen von Einsamkeit sein können.

Johann Hinrich Claussen, Ulrich Lilie: «Für sich sein. Ein Atlas der Einsamkeiten». C.H. Beck 2021; 248 Seiten; 26 Franken.

Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch bref herausgeben.