Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Wie denkt man über die eigenen Glaubensfragen nach, ohne dabei die Leser zu verlieren? Und wie lassen sich Bibelworte und Schlagzeilen aus dem Corona-Jahr miteinander verbinden? Dies und mehr in den Fachbuch-Tipps von «bref», dem Magazin der Reformierten.

Theologisch bestens unterhalten

Für an Glaubensfragen interessierte Leser lohnt sich der Blick in das eben im kleinen Einsiedler Paulus-Verlag erschienene Buch « Kopfstand. Aus meiner Beziehungskiste mit Gott ». Darin bringt der Journalist und Philosoph Thomas Binotto fertig, woran bereits zahlreiche vor ihm scheiterten: anspruchsvoll über die eigenen Fragen des Glaubens nachzudenken, ohne dabei den Leser zu verlieren. Die Gründe, weshalb ihm das gelingt, sind zahlreich. Da sind zum einen seine Sprachkraft, aber auch seine stilistische Sauberkeit. Kein Satz, der unnötig Ballast mit sich trägt. Zum anderen versteht es Binotto meisterhaft, Denkfährten zu legen, die zwar ans Ziel führen, mit Sicherheit aber nicht an das erwartbare.

Seine Gedanken hat der Autor in zehn Kapitel gegliedert, doch inhaltliche Stringenz sucht man vergebens. Vielmehr stellt er sich einer ganzen Reihe von Fragen, die alles andere als rhetorisch sind. So widmet er sich der Barmherzigkeit, denkt über die Überhöhung der Heiligen Familie nach oder sieht die Unfehlbarkeit weniger im Papst als in uns Menschen. Binotto geht diesen Themen ernsthaft und mit einer ansteckenden Neugier nach – und bietet dabei, trotz theologischem Tiefsinn, beste Unterhaltung.

Thomas Binotto: «Kopfstand. Aus meiner Beziehungskiste mit Gott». Paulus,
Einsiedeln 2020; 192 Seiten; 33.90 Franken.

Der Rezensent Oliver Demont ist Redaktionsleiter bei «bref».

Schlagzeilen hintersinnen

Während der ersten Pandemiewelle jagte eine Corona-Schlagzeile die andere. Andrea Bianca, Pfarrer und Zürcher Kirchenrat, empfand das zunehmend als Belastung und begann, jeder Meldung ein Bibelwort entgegenzusetzen. Zusammen mit Katharina Hoby hat er nun das Buch « Hoffnungszeichen in Krisenzeiten » realisiert. Dafür baten sie Persönlichkeiten aus allen Bereichen des Lebens, fünfzig ausgewählte Bibelworte zu kommentieren.

Entstanden sind Beiträge, die persönliche Zugänge zur Bibel und zum Erleben der Krise spiegeln. Deutlich wird, wie sich der Alltag der Menschen seit dem letzten Frühling verändert hat. Die Primarlehrerin, der Hotelier, die Bewohnerin eines Altersheims, der Komiker, die Pflegefachfrau, alle erzählen sie, was sie ängstigt, freut, trägt oder zuversichtlich stimmt. Diese Ehrlichkeit berührt, an fühlt sich den Autoren unmittelbar verbunden. Sehr gelungen sind auch die kunstvollen und auf jeden Beitrag abgestimmten Kalligrafien.

Dieses Buch ist, wie der Titel sagt, in Krisenzeiten entstanden, weist aber weit darüber hinaus. Die Dialoge, die zwischen den Schlagzeilen, Bibelworten, Texten und Kunstwerken entstehen, können die Leserinnen für sich selbst fortsetzen.

Andrea Marco Bianca, Katharina Hoby: «Hoffnungszeichen in Krisenzeiten. 50 Bibelworte zu Schlagzeilen». Reinhardt, Basel 2020; 144 Seiten; 24.80 Franken.

Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch «bref» herausgeben.