Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Warum steht in der Bibel nichts über die Kindheit Jesu und wie kam es, dass Dantes «Die Göttliche Komödie» zum Kultbuch wurde? Dies und mehr in den Fachbuch-Tipps von «bref», dem Magazin der Reformierten.

Buch über das Buch der Bücher

«Keine Bibel» nennt Christian Nürnberger sein jüngstes Buch sinnigerweise. Der Titel ist nicht etwa eine Anspielung, dass die Bibel überflüssig wäre. Ganz im Gegenteil: Der Theologe, Journalist und Bestsellerautor will mögliche Berührungsängste mit den alten Schriften abbauen. Dabei erzählt er auf moderne und zugleich einfache Weise die zentralen Geschichten des Alten und Neuen Testaments, schiebt Erklärungen ein oder stellt Zwischenfragen. Warum soll man diese Texte heute noch lesen? Warum steht in der Bibel nichts von Jesu Kindheit geschrieben? Wurde das Alte Testament durch das Neue Testament ausser Kraft gesetzt? So arbeitet der Autor die grossen Aussagen schlüssig heraus und verschafft damit einem breiten Publikum Zugang zu den biblischen Geschichten.

Aufbau und Gestaltung des Buches sind eng an die Bibel angelehnt. Das dient der Orientierung und ist eine Hilfe für diejenigen, welche die Texte im Original lesen möchten. Nürnberger hat «Keine Bibel» für die wachsende Zahl derer geschrieben, die noch nie eine Bibel in der Hand hatten. Die Lektüre lohnt sich aber nicht nur für sie. Aha-Erlebnisse sind auch jenen sicher, die mit dem Buch der Bücher schon vertrauter sind.

Christian Nürnberger: «Keine Bibel». Gabriel, Stuttgart 2020; 240 Seiten; 22 Franken.

Dantes «Göttliche Komödie» verstehen

Dante Alighieris «Die Göttliche Komödie» ist Kult. Seit siebenhundert Jahren inspiriert seine dichterische Reise durch die drei Reiche der jenseitigen Welt – Hölle, Fegefeuer und Paradies – die Menschen. Der ungeheuren Wirkung dieses Jahrtausendwerks widmet sich Franziska Meier in ihrem Buch «Besuch in der Hölle». In vierzehn Kapiteln, die gut auch unabhängig voneinander gelesen werden können, schlägt die Romanistin verschiedene Schneisen in das Dickicht der Rezeptionsgeschichte. Dabei spielt sie auch mögliche Gründe für die anhaltende Faszination einzelner Passagen und Figuren durch.

Mit ihrer Biografie über die «Göttliche Komödie» ist der Autorin ein anregender und gut lesbarer Zugang zu Dantes komplexer Dichtung gelungen. Eindrücklich ist auch, wie sie die verschiedenen Narrative bis in die Moderne beleuchtet. So zeigt sie beispielsweise auf, wie der gedemütigte Exilant Dante, der sein Schicksal und seine Sicht der Welt so mächtig in Verse fasste, immer auch Identifikationsfigur jener war, die sich diskriminiert oder ausgeschlossen fühlten.

Franziska Meier: «Besuch in der Hölle. Dantes Göttliche Komödie. Biographie eines Jahrtausendbuchs». C.H. Beck, München 2021; 214 Seiten; 12 Abbildungen; 36.50 Franken.

Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch «bref» herausgeben.