Wie Konfirmandinnen über Gott reden
Wie sprechen Jugendliche in der Konfirmationszeit über Glaube und Religion? Dieser Frage ist Muriel Koch in ihrer Dissertation anhand von Daten aus der «Zweiten Europäischen Studie zur Konfirmationsarbeit» nachgegangen. Den Befund, dass 51 Prozent der Konfirmandinnen verneinten, an Gott zu glauben, nahm die Verfasserin zum Anlass, die Freitextaussagen der Studie genauer auszuwerten.
Dabei zeigte sich, dass viele der Jugendlichen durchaus religiöse Inhalte zur Sprache bringen, dies jedoch in subjektiver, individueller und kritischer Weise. Deshalb empfiehlt Koch für die praktische Arbeit mit Jugendlichen mehr Aufmerksamkeit für ihre Sprache. In entsprechenden Formaten sei die Wahrnehmung und Deutung religiöser Kommunikation bei Konfirmanden wie Religionspädagoginnen zu fördern.
Das Buch bietet einen guten Überblick zum aktuellen Forschungsstand und begriffliche Klärungen bezüglich Jugend, Konfirmation und Religion. Die Impulse für die Praxis nehmen, wie es für eine Dissertation üblich ist, kaum Raum ein. Das Buch ist daher, zu den bisherigen Publikationen zur genannten Studie, für den akademischen Diskurs eine bereichernde Ergänzung. Für Menschen in der Praxis lohnt die Lektüre aber nur bedingt.
Muriel Koch: «Jugendliche und ihre Sprache des Glaubens. Sprachliche Identifizierungspraktiken in der Konfirmationszeit». TVZ, Zürich 2020; 296 Seiten; 48 Franken.
Der Rezensent Matthias Stracke-Bartholmai ist Assistent im Fachbereich Praktische Theologie an der Universität Basel.
Wie das Einhorn in die Bibel kam
Die Neuerscheinung «Adler, Fisch und verbotene Früchte» stellt zweiundfünfzig christliche Symbole vor. Neben Altbekanntem wie dem Kreuz, der Taube oder dem Regenbogen finden sich auch Motive, deren biblischer Ursprung unbekannt, skurril oder in Vergessenheit geraten ist. So wissen vermutlich nur die wenigsten, dass das Einhorn seine Existenz einer unpräzisen Übersetzung aus dem hebräischen Urtext des Alten Testaments verdankt. Oder woher der Brauch stammt, den Weihnachtsbaum mit Lametta zu schmücken.
Beim Lesen wird nach und nach bewusst, wie gegenwärtig ursprünglich biblische Symbole selbst im Alltag sind. Oft aber werden sie nicht mehr als solche erkannt. Das Autorenduo Michael Jahnke und Franziska Schikora möchte daher mit seinem Buch einen Beitrag leisten und religions- und kulturgeschichtliche Traditionen erschliessen. Es tut dies kurzweilig in knappen Kapiteln, mit Bibelstellen und oft überraschenden Fotos oder Grafiken ergänzt. Ob man sich jede Woche eines der zweiundfünfzig Kapitel vornimmt und das Buch so zum Begleiter durchs Jahr wird – oder ob man es in einem Zug durchliest: so oder so wird man mit einigen Neuentdeckungen belohnt.
Michael Jahnke, Franziska Schikora: «Adler, Fisch und verbotene Früchte. Christliche Symbole im Alltag entdeckt». Edition Chrismon, Leipzig 2020; 120 Seiten; 22.70 Franken.
Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch bref herausgeben.