Landeskirchen rufen Bundesrat zur Aufnahme von Flüchtlingen auf

Wegen der katastrophalen Situation der Asylsuchenden auf den griechischen Inseln richten die drei Landeskirchen einen Appell an den Bundesrat. Er soll Flüchtlinge rasch in die Schweiz evakuieren. Es brauche einen Akt der Humanität.


Zehntausende Flüchtlinge leben momentan auf den Ägäisinseln unter schwierigen und beengten Bedingungen in Flüchtlingslagern. Die Corona-Pandemie ist für diese Menschen eine grosse Gefahr. Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS), die Schweizer Bischofskonferenz der römisch-katholischen Kirche und die Christkatholische Kirche Schweiz fordern deshalb den Bundesrat und die Politik zu raschem Handeln auf, heisst es in einer Medienmitteilung vom 9. April.

Konkret sollen unbegleitete minderjährige Asylsuchende, die Verwandte in der Schweiz haben, schnell hierher gebracht werden. Die Schweiz müsse mehr tun, um mit den Behörden vor Ort die Einreiseberechtigten zu identifizieren. «Wir appellieren an den Bundesrat, in den nächsten Tagen ein klares Zeichen der Hoffnung zu setzen und diese verletzlichen und gefährdeten jungen Flüchtlinge in den griechischen Lagern als Asylsuchende in der Schweiz aufzunehmen», so die drei Landeskirchen.

«Schweiz kann Vorbild sein»

Die Schweiz stehe in der Verantwortung, auch wegen der Schengen- und Dublin-Abkommen. Europa habe bisher noch keine gemeinsame Lösung gefunden. Wenn die Schweiz nun als Akt der Humanität Flüchtlinge aufnehmen würde, wäre das kein Alleingang der Schweiz in der Flüchtlingspolitik Europas, betont Gottfried Locher, Präsident der EKS. «Die Schweiz kann in dieser Osterzeit in Europa ein Vorbild sein – in Sachen Menschlichkeit und Haltung.»

Die Schutzsuchenden könnten bei Städten und Gemeinden, Kirchgemeinden und Pfarreien sowie kirchlichen und nichtkirchlichen Hilfsorganisationen Unterschlupf finden und von den Menschen vor Ort empfangen und betreut werden. Die Kirchen seien dafür bereit. (mos)