Kirchliches Netzwerk appelliert an Bundesrat wegen Aufnahme von Flüchtlingen

Das ökumenische Netzwerk Migrationscharta fordert den Bundesrat dazu auf, 5000 Flüchtlinge aus den griechischen Lagern aufzunehmen. Die Aufnahmekapazitäten seien vorhanden, ebenso sei die Hilfsbereitschaft in der Zivilgesellschaft und den Kirchen gross.


Immer noch sitzen in den griechischen Flüchtlingslagern Zehntausende von Menschen fest. Mit der Ausbreitung des Coronavirus verschärft sich die Lage zusätzlich. In einem dringlichen Appell an den Bundesrat fordert das ökumenische Netzwerk Migrationscharta nun zum Handeln auf. «Wir rufen den Bundesrat auf, in den nächsten Tagen ein klares Zeichen zu setzen, das Europa aus der jetzigen Sackgasse holt», heisst es in dem am 8. April auf der Webseite des Netzwerkes veröffentlichten Appell.

Konkret fordert das Netzwerk die Aufnahme von 5000 Flüchtlingen aus den griechischen Lagern in der Schweiz. Die Corona-Pandemie habe eine grosse Welle der gegenseitigen Hilfe und Solidarität ausgelöst. Zugleich habe sie aber weltweit die Ungleichheiten verschärft. Dies zeige sich auch an der mangelnden Solidarität für die Geflüchteten. Das Evangelium, aber auch die Bundesverfassung, rufe dazu auf, gegen diese Ungleichheiten anzukämpfen. «In unserem Land, aber auch global soll jetzt niemand zurückgelassen werden», heisst es in dem Schreiben an den Bundesrat.

Grosse Hilfsbereitschaft

Das Netzwerk begründet seine Forderung damit, dass es derzeit nur wenige Asylgesuche in der Schweiz gebe und die Aufnahmekapazitäten vorhanden seien. Zudem sei die Hilfsbereitschaft im Land gross. «Überall in der Schweiz können Städte, Gemeinden und Kirchgemeinden, kirchliche und nicht-kirchliche Hilfsorganisationen diese Menschen empfangen und betreuen.»

In einer Mitteilung vom 8. April fordert das Netzwerk deshalb Kirchenleitungen, Kirchgemeinden, Pfarreien, religiöse Organisationen und Solidaritätsnetzwerke dazu auf, den Behörden ihre Unterstützung anzubieten. Insbesondere solle der Appell auch in Osterbotschaften und digitalen Osterfeiern aufgenommen werden.

Für eine menschenfreundliche Asylpolitik

Im Netzwerk Migrationscharta haben sich rund 1000 Menschen, darunter zahlreiche reformierte und katholische Theologinnen und Theologen, zusammengeschlossen. Die Organisation setzt sich nach eigenen Angaben für eine menschenfreundliche Migrations- und Asylpolitik in der Schweiz ein. Zuletzt machte sie sich für die Beteiligung der Schweiz an einem europäischen Seenotrettungssystem stark. (no)