Ausbildung
«Laienpredigerinnen sollen Farbe in die Kirchgemeinden bringen»
Judith Borter, Sie begleiten die Ausbildung der Laienpredigenden. Wie haben Sie als Leiterin der Fachstelle Bildung und Diversität den ersten Durchlauf erlebt?
Als sehr positiv. Die Teilnehmenden sind hochmotiviert und haben Freude an religiös-ethischen Themen. Sie sind bereit, im öffentlichen Rahmen über ihren persönlichen Glauben zu reden. Ich bin mir sicher, dass sie neue Farbe in die Kirchgemeinden bringen werden.
Welche Art von Menschen hat am Ausbildungsgang teilgenommen?
Sie sind ganz verschieden. Einige sind Mitglied einer kirchlichen Behörde, andere nicht. Eine Teilnehmerin besitzt einen Buchladen in der Stadt Basel. Sie hatte sich in ihrer Jugend gegen ein Theologiestudium entschieden. Mit der Ausbildung zur Laienpredigerin hat sie sich nun einen langersehnten Lebenswunsch erfüllt.
Kann man jetzt davon ausgehen, dass die Laienpredigerinnen und Laienprediger Pfarrpersonen entlasten, die angesichts des Pfarrmangels mehr arbeiten müssen?
Nein, es geht nicht primär um Entlastung. Grundsätzlich sollen die Laienpredigerinnen Vielfalt und Talente in die Kirchgemeinden bringen. Aber mit Blick auf den Pfarrmangel, der sich in den kommenden Jahren verschärfen dürfte, werden sie ein fester Bestandteil des Gemeindelebens werden.
Die Reformierte Kirche Baselland ist nicht die erste oder einzige, die Laienpredigerinnen ausbildet. Unter anderem im Aargau und Thurgau, in St. Gallen, Graubünden, Schaffhausen und Refbejuso sind Laienpredigerinnen und Laienprediger bereits etabliert. (dst)
Wie viele Einsätze werden die Laienpredigende leisten?
Das ist schwer zu sagen, wir stehen ja noch ganz am Anfang. Doch im betreffenden Reglement ist festgehalten, dass sie im Minimum vier Gottesdienste pro Jahr leiten sollen und maximal zwölf.
Wie viel theologisches Wissen kann man von den Laienpredigenden erwarten?
Die Ausbildung ist relativ hochschwellig und dies ist auch gut so. Eine fundierte theologische Ausbildung ist uns wichtig. Am Anfang steht die theologische Grundausbildung, die mehrere Jahre dauert. Danach vertiefen die Teilnehmenden an zwei Tagen ihre liturgischen und homiletischen Kompetenzen. In ihrer praktischen Ausbildungszeit werden sie von Pfarrpersonen begleitet. Diesen Mentorinnen und Mentoren kommt eine wichtige Funktion zu. Abgeschlossen wird die Ausbildung durch einen Prüfungsgottesdienst. Acht Personen haben diesen schon bestanden und es werden dieses Jahr noch vier dazukommen.
Wie wird die Qualität der Absolventinnen gewährleistet?
Jedes Jahr findet ein Weiterbildungswochenende statt, an dem sie obligatorisch teilnehmen müssen. Und bevor die Interessenten überhaupt die Ausbildung zur Laienpredigerin antreten können, müssen sie ein Empfehlungsschreiben ihrer Kirchgemeinde vorweisen und ein ausführliches Assessment-Gespräch bestehen.