Konfirmation

Jugendliche in die Kirche einbinden

Die Konfirmation hat noch immer einen festen Platz im Leben Reformierter. Das ist eine Erkenntnis eines Projekts von Refbejuso. Aus diesem soll nun eine Hilfestellung für den Konfunterricht entstehen.
Die Konfirmation bietet die Möglichkeit, den Jugendlichen zu zeigen, dass sie in der Kirchgemeinde mitwirken und etwas bewegen können. Ein Refbejuso-Projekt zeigt, wie wichtig diese Kasualie noch immer ist. (Bild: Gaëtan Bally)

Zwischen Palmsonntag und Pfingsten ist Konf-Saison. Manche Kirchgemeinden feiern gleich an mehreren Sonntagen Konfirmationsgottesdienste. In dieser Zeit macht man sich besonders Gedanken über die Zukunft der Konfirmation, wie man Unterricht und Feier verbessern und die Jugendlichen besser erreichen kann.

Konrad Schmid, Professor für alttestamentliche Wissenschaft und frühjüdische Religionsgeschichte am Theologischen Seminar der Universität Zürich, schlägt im Interview mit ref.ch vor, dass man einen anderen Zeitpunkt in Betracht zieht für die Konfirmation: Entweder mit Kindern im Alter von zwölf Jahren oder mit 18-jährigen jungen Erwachsenen.

Aktive Anteilnahme möglich

Der Konfirmations-Experte Patrick von Siebenthal sieht dafür dagegen keinen Handlungsdruck. Er sagt, die Konfirmation am Ende der obligatorischen Schulzeit mit 15 bis 16 Jahren habe eine lange Tradition. Sie markiere einen Übergang im Lebenslauf: Die Zeit in der Volksschule endet, die Jugendlichen werden selbständiger und mündiger, haben mehr Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit.

Sie sollen auch dazu ermutigt werden, so wünscht sich von Siebenthal, mitzumachen und sich einzubringen. Die Konfirmation sei eine «feierliche Anstiftung zum eigenen Weg», betont er.

Zusammen mit Carsten Heyden ist er am dreijährigen Projekt der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn (Refbejuso) zur Zukunft der kirchlichen Unterweisung (KUW) – und damit auch zur Konfirmation – beteiligt. 17 Dialoggemeinden aus dem Gebiet von Refbejuso haben daran teilgenommen. Es handelt sich um grosse und kleine, um ländliche und städtische Kirchgemeinden sowie um jene zwischendrin, in der Agglomeration.

Egal jedoch, wo sie liegen, aus den Kirchgemeinden kam eine klare Antwort: Keine wollte etwas am Konfirmations-Termin ändern, sagt Heyden. Und zwar weder innerhalb des Jahreslaufs noch bezogen auf das Alter der Jugendlichen. Dabei hätten die Dialoggemeinden die freie Wahl gehabt, Verschiedenes auszuprobieren.

Die Ergebnisse der 17 Dialoggemeinden unterschieden sich mitunter sehr stark, wie Projektleiter Heyden anmerkt. Diese Vielfalt gilt es als Chance zu berücksichtigen. Im November wird die Synode von Refbejuso über neue Richtlinien befinden, die im engen Austausch mit den Dialoggemeinden verfasst wurden. Zu den Kernerkenntnissen gehört:

Interprofessionelle Teams sind von Vorteil: Laut von Siebenthal wird die Konfirmationsarbeit vielfältiger, wenn Pfarrpersonen, Katechetinnen, Sozialdiakone, Jungleitende und Freiwillige zusammenarbeiten. Die Dialoggemeinden sprechen sich auch dafür aus, stärker interprofessionell zu denken. An manchen Orten entwickelt sich auch eine Zusammenarbeit über die Grenzen der einzelnen Kirchgemeinden hinaus.

Kirchgemeinden wünschen sich Flexibilität: «Es braucht Formen, die vor Ort funktionieren», sagt Patrick von Siebenthal, «und die sind eben ganz unterschiedlich.» Manche Kirchgemeinden entdecken Teile ihrer bewährten Formen neu, erklärt Carsten Heyden, andere gingen eher in Richtung Animation, Erlebnisse und Identitätsbildung.

Neue Ideen gibt es viele, nun braucht es ein paar gemeinsame Nenner: Die Kirchgemeinden sollen laut Heyden grosse Gestaltungsfreiheit haben bei der kirchlichen Arbeit mit jungen Menschen. So sollen die vorgeschlagenen Richtlinien nicht die konkrete Arbeit regeln, sondern: «Sie beziehen sich auf die Konzeptentwicklung.»

Begleitung ist von Vorteil: Die Landeskirche soll den Kirchgemeinden zur Seite stehen beim Entwickeln und ständigen Evaluieren der Konzepte. Aus dem Projekt geht unter anderem ein Online-Planungstool hervor. Zusätzlich soll ab 2026 ein interprofessionelles Team die Kirchgemeinden bei der Konzeptentwicklung begleiten, denkbar wären Workshops oder andere Formen der Begleitung und Mitarbeit in den Gemeinden.

Mit Interesse beobachtet Patrick von Siebenthal, wie sich die Konfirmation in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Aus dem schulischen Unterricht mit Konfirmationsprüfung ist vorwiegend ein Freizeitangebot geworden, bei dem die Jugendlichen christliche Traditionen mit ihrem eigenen Leben verbinden können. Gleichzeitig haben sie Gelegenheit, sich Gedanken übers Erwachsenwerden zu machen. Dass sie den Konfirmationsgottesdienst mitgestalten, ist selbstverständlich.

Das, sagt von Siebenthal, sei eine grosse Chance für die Kirche: «Wenn die Jugendlichen merken, dass sie gemeinsam mit anderen etwas bewegen können in einer Kirche, die für alle da ist, schafft das eine Bindung. Sie lernen Kirche als alltagsrelevant kennen.»

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