Flüchtlingsdrama an EU-Grenze beschäftigt Schweizer Kirchen

An der Grenze zu Griechenland werden Tausende Geflüchtete daran gehindert, nach Europa zu gelangen. Die Evangelische Kirche in Deutschland kritisiert die EU-Politik stark. In der Schweiz fordern einige Kirchenvertreter mehr Engagement.

Geflüchtete versuchen über die türkisch-griechische Grenze in die EU zu gelangen. (Keystone/APA/Jürg Christandl)

Tränengas, Wasserwerfer und militärische Abschottung an der türkisch-griechischen Grenze seien Europa unwürdig, schreibt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Seit die Türkei die Geflüchteten nicht mehr zurückhält, strömen Tausende an die Grenze zu Griechenland. Sie hoffen, so nach Europa zu gelangen. Die griechischen Polizeikräfte halten sie nach Medienberichten aber zurück und wenden dabei auch Tränengas und körperliche Gewalt an. Zudem hat Griechenland das Recht auf Asyl für einen Monat ausgesetzt.

«Betroffen über das Elend»

Nach der deutlichen Kritik aus Deutschland werden auch einzelne Stimmen aus der Schweiz laut. Verena Mühlethaler, Pfarrerin der Offenen Kirche St. Jakob in Zürich, ist «sehr betroffen über das Elend der Geflüchteten an der Grenze», wie sie gegenüber ref.ch sagt. Sie findet es «schlimm», dass diesen Menschen ihr Grundrecht auf einen Asylantrag verwehrt werde. Aus rechtlichen und humanitären Gründen seien die Schweiz und die EU dazu verpflichtet, Geflüchtete aufzunehmen.

Hier sieht die Pfarrerin auch die Aufgabe der Kirche. Bis jetzt habe sie «praktisch nichts» gehört von kirchlicher Seite. Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) und der Kirchenrat des Kantons Zürich müssten ihrer Meinung nach verstärkt auf die Politik zugehen und den Schutz der Geflüchteten einfordern. Die Schweiz wäre dafür bereit, glaubt Verena Mühlethaler. Gerade in den Kirchen bestehe ein grosses Netz aus Freiwilligen, die sich um die Flüchtlinge kümmern könnten.

«Wir dürfen nicht wegschauen»

Auf Nachfrage von ref.ch zeigen sich aber auch die EKS und ihre Mitgliedkirchen «sehr besorgt» über die Lage an der Grenze. EKS-Präsident Gottfried Locher schrieb dazu kürzlich auf Twitter: «Wir dürfen nicht wegschauen.» Die EKS unterstütze zudem Hilfsprojekte in Griechenland finanziell. Aber auch politisch wolle sie sich «aktiv für Flüchtlinge, insbesondere die Verletzlichsten» einsetzen, als Mitglied der eidgenössischen Kommission für Migrationsfragen und in Zusammenarbeit mit dem UNHCR und dem Bund. Die EKS engagiere sich dabei für eine Resettlement-Lösung.

Auch an die Politik gewandt hat sich das evangelische Hilfswerk Heks. Es fordert den Bundesrat auf, bei der EU darauf hinzuwirken, dass das geltende Asylrecht durchgesetzt und die Gewalt gegenüber Flüchtlingen an den EU-Aussengrenzen unverzüglich beendet werde, heisst es in einer Stellungnahme vom 10. März. Dabei stehe auch die Schweiz in der Verantwortung, sich an der Verteilung von Schutzsuchenden auf die Länder Europas zu beteiligen und Flüchtlinge zur Prüfung ihrer Asylgesuche einreisen zu lassen. Ausserdem soll die Schweiz ihr Aufnahmekontingent auf jährlich 10’000 schutzbedürftige Menschen erhöhen. (mos)