Krieg im Nahen Osten

Jerusalemer Abt: Christen haben keine Vermittlerrolle

Die christliche Minderheit könne in der Nahostkrise keine Vermittlerposition einnehmen, sagt Nikodemus Schnabel. Der Jerusalemer Abt sieht den Konflikt auch nicht als einen religiösen an.

In Israel leben auch Christen verschiedener Konfessionen. Welche Rolle können sie in der Auseinandersetzung zwischen Juden und Muslimen übernehmen? «Wir Christen machen nur ein Prozent der Bevölkerung aus. Darüber hinaus sind wir noch in viele verschiedene Konfessionen aufgeteilt und übers ganze Land verteilt», sagt Nikodemus Schnabel im Interview mit der «Zeit»-Beilage «Christ und Welt». Seiner Auffassung nach kann die christliche Minderheit nicht zwischen Israelis und Palästinensern vermitteln.

Als gläubiger Christ habe er nicht nur die politische Seite, sondern auch die Menschen im Blick. «Auf beiden Seiten werden Unschuldige hineingezogen in einen Konflikt, den sie nicht verursacht haben», sagt Schnabel, der als Abt die Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg in Jerusalem leitet.

Unter den örtlichen Politikern sehe er, gerade was die deeskalierende Kommunikation betreffe, nur «totales Versagen». Die andere Seite werde verbal entmenschlicht. Zum Glück gebe es aber auch auf beiden Seiten wunderbare Menschen, die selbst jetzt noch Quellen der Hoffnung seien, sagt der deutsche Benediktinermönch. Rache sei keine zukunftsträchtige Antwort.

Nach Meinung des Abts ist der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern kein religiöser Konflikt. Das Problem dieser Region sei nicht, dass Religion sich politisiert habe, sondern dass sich Politik religionisiere. (epd/ dst)