Migration

Italien stellt Ende der Flüchtlingsblockade in Aussicht

Italien will sich in Zukunft wieder an das Dublin-Abkommen halten und Flüchtlinge aus anderen Staaten zurücknehmen. Das hat der italienische Innenminister Matteo Piantedosi bei einem Treffen mit Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider gesagt.

Justizministerin Elisabeth Baume-Schneider (SP) hat den italienischen Innenminister Matteo Piantedosi zu einem Arbeitsbesuch in Rom getroffen. Wie das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) mitteilte, äusserte Baume-Schneider Verständnis für die schwierige Migrationssituation in Italien.

Dort kamen seit anfangs Jahr 45'000 Flüchtlinge an den Küsten an – über dreimal so viel wie 2022. Auch auf der Balkanroute nehme die Migration zu. Italien hatte wegen der Verschärfung der Lage im April den Notstand ausgerufen.

Seit Dezember des vergangenen Jahres nimmt das Land zudem keine Flüchtlinge aus anderen europäischen Staaten zurück, für die es gemäss Dublin-Abkommen verantwortlich wäre. Das Abkommen sieht vor, dass derjenige Staat, in denen ein Flüchtling zuerst ankommt, auch das Asylverfahren durchführen muss.

Baume-Schneider wies darauf hin, dass die Entscheidung von Italien die europäische Asylpolitik schwäche. Das geltende Recht müsse eingehalten werden. Innenminister Piantedosi erklärte gemäss EJPD, Italien arbeite an einer Erhöhung der Unterbringungskapazitäten. Je nach Lage könnte es in den nächsten Monaten wieder Flüchtlinge nach Dublin-Regeln zurücknehmen.

Seit der Aussetzung der Rückübernahme ist in der Schweiz die Überstellungsfrist für 81 Asylsuchende abgelaufen, sodass sie diese Fälle ins eigene Asylverfahren aufnehmen muss.

20 Millionen aus Kohäsionsbeitrag

Im Weiteren stellte Baume-Schneider Piantedosi Unterstützung bei der Bewältigung der Lage in Aussicht. Die Schweiz will Italien aus dem Rahmenkredit für Migration im zweiten EU-Kohäsionsbeitrag 20 Millionen Franken zur Verfügung stellen.

Italien ist neben Griechenland und Zypern das dritte Land, mit dem die Schweiz im Rahmen des Migrationskredits von 190 Millionen Franken eine Zusammenarbeit vereinbart hat. Mit dem Geld erhält Italien Hilfe bei Unterbringung und Betreuung von Asylsuchenden, insbesondere von unbegleiteten Minderjährigen.

Ein Beitrag an ein Projekt der internationalen Organisation für Migration (IOM) ist bereits gesichert. 500'000 Franken gehen an die kulturelle Mediation der IOM, damit sich die Kommunikation zwischen eintreffenden Flüchtlingen und der Polizei verbessert.

Solidarität in Europa

Baume-Schneider diskutierte mit dem Innenminister auch die laufende Revision des europäischen Asyl- und Migrationssystems. Diese sieht ein Solidaritätssystem für besonders belastete Länder wie Italien vor, das die Schweiz unterstützt.

Zu der Revision gehören auch ein Screening und schnelle Asylverfahren an den EU-Aussengrenzen. Die Bundesrätin sprach sich dabei dafür aus, dass die Menschenrechte geachtet werden. Nur so liessen sich die Rechte der Personen mit einem möglichen Anspruch auf Asyl schützen. (sda/ pef)