Armut

Immer mehr Menschen in finanziellen Schwierigkeiten

Für armutsbetroffene Menschen in der Schweiz hat sich die Situation im vergangenen Jahr verschärft. Die kirchlichen Sozialdienste in Luzern betonen, eine frühe Beratung helfe, die Finanzen in den Griff zu kriegen.

Die Teuerung, die Energiekrise und steigende Krankenkassenprämien setzen Menschen mit wenig Geld immer stärker unter Druck. Das stellen Doris Krummenacher und ihre drei Kolleginnen täglich fest. «Wir haben letztes Jahr eine klare Zunahme der Beratungen verzeichnet», sagt die Leiterin der Sozialberatung der Refomierten Kirche Luzern auf Anfrage von ref.ch. Besonders seit dem Frühjahr 2022 hätten sich mehr Menschen gemeldet.

Aber nicht nur das: auch bestehende Klienten geraten zunehmend aus dem Gleichgewicht. «Plötzlich können sie beispielsweise vereinbarte Ratenzahlungen mit Gläubigern nicht mehr leisten», sagt Krummenacher. Oder das Geld für das Benzin werde knapp, um mit dem Auto zur Arbeit zu fahren.

Zusammen mit der Sozialberatung der Katholischen Kirche Luzern und der Caritas verweist die Reformierte Sozialberatung deshalb auf ihre Angebote. Je früher Menschen sich meldeten, desto eher lasse sich eine drohende Schuldenspirale verhindern, schreiben die drei Organisationen.

«Die kirchliche Sozialberatung kann ein Auffangnetz für Leute sein, die durch alle Maschen fallen», sagt Krummenacher. Gemeinsam mit den Klienten prüft sie, ob ein Anspruch auf Sozialleistungen oder sonstige Vergünstigungen besteht, ob es Sparmöglichkeiten gibt und wie sich die finanzielle Situation stabilisieren lässt. Ebenso wichtig sei es, Menschen Luft zur Erholung zu verschaffen. Gibt es keine andere Lösungen, helfen die Kirchen in Einzelfällen auch finanziell aus. Beispielsweise, wenn wegen einer Zahnarztrechnung Schulden drohen.

Viele ihrer Klienten hätten knapp keinen Anspruch auf Sozialhilfe, erklärt Krummenacher. Bei ihnen handelt es sich um sogenannte Working poors – Menschen mit einem Einkommen, das kaum zum Leben reicht. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung dürfte laut der Berner Fachhochschule aufgrund der Teuerung von 8,5 Prozent auf 9,3 Prozent gestiegen sein. In absoluten Zahlen gelten in der Schweiz rund 800'000 Menschen als arm. (pef)