Human Rights Watch beklagt Folter in irakischem Gefängnis

Human Rights Watch hat der Regierung in Bagdad Tatenlosigkeit vorgeworfen. Im Gefängnis Faisalija im nordirakischen Mossul hätten die Wärter Häftlingen mit Plastikschläuchen auf die Fusssohlen geschlagen, bis diese gestanden, zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu gehören.


Frühere Häftlinge haben über Folter in einem irakischen Gefängnis berichtet. Mindestens bis Anfang 2019 hätten Wärter Gefangene mit hinter dem Rücken gefesselten Händen an die Decke gehängt und sie Waterboarding unterzogen, schrieb die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in einem veröffentlichten Bericht. Zudem seien die Gefangenen mit Plastikschläuchen auf die Fusssohlen geschlagen worden, bis sie gestanden, zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu gehören.

Human Rights Watch hatte bereits im August 2018 zahlreiche Fälle von Folter in Faisalija dokumentiert. Das Amt des Ministerpräsidenten, das Aussen- und Innenministerium hätten auf die Vorwürfe aber nicht reagiert, erklärte HRW.

Richter ignorieren Vorwürfe

«Wenn die irakische Regierung glaubwürdige Berichte über Folter ignoriert, ist es kein Wunder, wenn die Missstände andauern», kritisierte die HRW-Vizedirektorin für den Mittleren Osten, Lama Fakih. «Was braucht es noch, damit die Behörden Foltervorwürfe ernst nehmen?» Auch Richter würden regelmässig glaubwürdigen Vorwürfen von Folter nicht nachgehen, kritisierte die in New York ansässige Menschenrechtsorganisation.

Mossul war von Juni 2014 bis zur Rückeroberung durch die Armee Ende 2017 eine Hochburg der IS-Miliz. Seit dem Sieg über die sunnitische Extremistengruppe hat die irakische Justiz tausende Iraker und Ausländer unter dem Vorwurf der IS-Mitgliedschaft vor Gericht gebracht. Menschenrechtsgruppen wie HRW kritisieren aber, dass bei den Verhören Folter weit verbreitet sei und viele Angeklagte keinen fairen Prozess erhielten. (sda/bat)