Krieg im Nahen Osten

Keine Hilfslieferungen nach Nord-Gaza möglich

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelangt nicht mehr in den Norden des Gazastreifens. Dort fehlt es an medizinischen Hilfsgütern. Auch die Ernährungslage ist prekär.

Schwere Bombardierungen, eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten und unterbrochene Kommunikation machen es nahezu unmöglich, Hilfsgüter in den isolierten Gazastreifen und vor allem in dessen Norden zu liefern. Das teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf der Plattform X mit. Seit zwölf Tagen sei man nicht mehr in den Norden des Küstenstreifens gelangt. Eine geplante Mission zum Krankenhaus Al-Awda sei zum vierten Mal abgesagt worden.

Ein sicherer und ungehinderter Zugang zum Norden des Gazastreifens sei dringend nötig, um medizinische Hilfsgüter ins Kriegsgebiet zu transportieren. Die Krankenhäuser seien ausserdem ernsthaft unterbesetzt, weil das medizinische Personal nach den Evakuierungsaufrufen geflohen sei, so die UN-Organisation. «Weitere Verzögerungen werden zu mehr Toten und Leid für zu viele Menschen führen», schrieb WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf X.

Derweil verschlechtert sich für Hunderttausende Menschen im Gazastreifen auch die Versorgung mit Essen. Die Ernährungslage sei für Männer, Frauen und Kinder «sehr schwierig», sagte US-Aussenminister Antony Blinken in Amman. Ein Grossteil des gelieferten Essens sei fertig zum Verzehr, weil die Menschen dieses unter aktuellen Bedingungen kaum oder gar nicht zubereiten könnten. «Dies ist der einzige Weg, um den Menschen das zu geben, was sie jetzt brauchen», sagte Blinken.

Israel hatte den Gazastreifen nach der grausamen Terrorattacke der islamistischen Hamas vom 7. Oktober komplett abgeriegelt und angegriffen. Die ohnehin schlechte Versorgungslage der etwa 2,2 Millionen Bewohner verschlechterte sich dadurch auf dramatische Weise. Fast alle Menschen im Gazastreifen leiden unter Hunger oder Vertreibung. Einer UN-Studie zufolge fallen rund 577'000 Menschen und damit 26 Prozent der Bewohner in Gaza in die schwerwiegendste Kategorie des Hungers. Im gesamten Rest der Welt sind dagegen 129'000 Menschen insgesamt ähnlich bedroht. (sda/ eba)