Feministischer Streik

Violette Shirts und bunte Transparente gegen Gewalt und für Gleichstellung

In Schweizer Städten sind Tausende auf die Strasse gegangen, um gegen Gewalt an Frauen und für mehr Gleichstellung zu demonstrieren. Im Fokus stand die «unglaubliche Menge» an unbezahlter Arbeit.
Die Demonstrierenden untermalten ihre Forderungen mit Transparenten. (Bild: Anthony Anex/ Keystone)

Mehrere Tausend Menschen sind anlässlich des feministischen Streiks auf die Strasse gegangen, um gegen geschlechtsspezifische Gewalt und für Gleichstellung zu demonstrieren. Während in Basel, Zürich und Luzern grosse Kundgebungen stattfanden, begingen die Bernerinnen den Streik mehrheitlich dezentral.

Den Auftakt eines demonstrationsreichen Tages bildete Basel. Mit violetten T-Shirts, Musikboxen, Transparenten und Kartonplakaten zogen die Demonstrierenden ab 15 Uhr durch die Stadt, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA beobachtete. Die Kantonspolizei Basel-Stadt schätzte die Zahl der Teilnehmenden auf 6000.

Eines der zentralen Themen des Streiks war Gewalt gegen Frauen und genderqueere Menschen, wie Mediensprecherin Franziska Stier auf Anfrage mitteilte. Das Urteil zum Femizid in der Baselbieter Gemeinde Binningen vor wenigen Wochen habe die Bewegung sehr beschäftigt.

Fokus auf unsichtbare Arbeit

In Zürich wiederum demonstrierten Tausende in brütender Hitze für die Anerkennung der Care-Arbeit. Gerade an Sonntagen werde eine «unglaubliche Menge» an unbezahlter Arbeit geleistet, so die Organisatorinnen. Darum setzten sie dieses Jahr den Fokus auf «unsichtbare, feminisierte, prekarisierte und doch systemrelevante Arbeit», wie sie in einer Medienmitteilung schrieben.

Der «Feministische Aktionstag» startete auf dem Kasernenareal mit Kinderprogramm, Konzerten und Reden. Die eigentliche Demo begann um 17 Uhr. Unterwegs standen eine Schweigeminute sowie ein «Erschöpfungsmoment» auf dem Programm, bei dem sich die Demonstrantinnen für fünf Minuten auf den Boden legten.

Luzern: «Gemeinsam gegen die Hoffnungslosigkeit»

Auch in der Stadt Luzern schlossen sich mehrere Tausend Menschen der Streik-Kundgebung an. Schon Stunden vor dem Start füllte sich das Vögeligärtli neben dem Bahnhof mit Teilnehmenden.

Bevor sich der Demonstrationszug nach 16 Uhr in Bewegung setzte, sprach Annika Burri vom Feministischen Streikkollektiv Luzern. Sie forderte mehr Mittel für den Gewaltschutz sowie mehr Rechte und Teilhabe für Frauen, queere Menschen, Migrantinnen und Migranten und Menschen mit Behinderungen. «Wir demonstrieren heute gemeinsam gegen die Hoffnungslosigkeit», sagte sie.

In der Romandie stand der diesjährige Streik im Zeichen des G7-Gipfels im nahegelegenen französischen Evian. Zahlreiche Westschweizerinnen streikten gleich doppelt. In Genf lief ein grosser feministischer Block an der Anti-G7-Demo mit. In Lausanne und Neuenburg wurden die Streik-Kundgebungen um einen Tag vorverlegt, um eine Teilnahme an der Genfer Demo zu ermöglichen.

Bernerinnen bündeln Kräfte

In Bern trafen sich die Streikenden nicht zu einer Grossdemo, sondern zum Brunch, Basteln und Bretterzerschlagen - ehe sie auf dem Bundesplatz zu Reden und Musik zusammenkamen. Zum gemeinsamen Programmpunkt versammelten sich schätzungsweise 5000 Menschen jeden Alters, wie eine Reporterin von Keystone-SDA berichtete - wobei zahlreiche Streikende dem Schatten am Rande des Platzes entlang schlichen, um der drückenden Sonne zu entkommen.

Ihre Transparente trugen Aufschriften wie «My pussy, my rules» oder «Schutz kostet Geld, Gewalt kostet Leben». Konkrete Forderungen beinhalteten etwa einen sicheren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen, die Einführung eines dritten und offenen Geschlechtseintrages sowie diskriminierungsfreie Einbürgerungskriterien. (sda/ jow)

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