EKS-Rat

Noch bleiben sie im Hintergrund

Die ersten 100 Tage im Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz waren für Michel Rudin und Florian Schubert von der Frage nach einer nationalen Missbrauchsstudie geprägt. Die Sommersynode soll nun mehr Klarheit schaffen.

Florian Schubert (links) und Michel Rudin setzten sich bei der Wahl klar gegen den dritten Kandidaten Thomas Gugger durch. (Bild: Christoph Knoch/ EKS)

Seit drei Monaten zählt der Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) zwei neue Mitglieder: Florian Schubert, kirchenpolitisches Schwergewicht, und Michel Rudin, kirchenpolitischer Newcomer. Ihre Wahl im vergangenen November war notwendig geworden, weil die beiden EKS-Rätinnen Claudia Haslebacher und Lilian Bachmann per Ende 2023 ihren Rücktritt erklärt hatten (ref.ch berichtete).

«Wer aus Angst nicht kommuniziert, macht alles nur noch schlimmer.»
Michel Rudin, EKS-Rat

Der Einstieg sei sehr angenehm verlaufen, sagen sowohl Rudin als auch Schubert – auch wenn sie ihre Dossiers mitten in der Legislatur übernehmen mussten. «Derzeit beschäftigt den Rat vor allem die Missbrauchsstudie der Evangelischen Kirche in Deutschland», sagt Rudin. In der Schweiz stellten Medien daraufhin die Frage, ob es auch in der Schweiz eine solche Studie der evangelisch-reformierten Landeskirchen brauche. EKS-Ratspräsidentin Rita Famos bejahte.

Kommunizieren statt schweigen

Unterstützung erhält sie dabei von den beiden jüngsten und neusten Ratsmitgliedern. «Es gibt zwei Behauptungen: Bei uns ist es wie überall, oder wir sind ganz anders», sagt Florian Schubert. Beide Aussagen liessen sich derzeit nicht überprüfen. «Deshalb hat der Rat auf eine Studie gedrängt.» Gerade die Westschweizer Kirchen wünschten sich, dass die EKS vorwärtsmache.

«An der Sommersynode wird klar, wo wir alle stehen.»
Florian Schubert, EKS-Rat

Auch Michel Rudin ist überzeugt, dass die EKS in die Offensive gehen musste. «Wer aus Angst nicht kommuniziert, macht alles nur noch schlimmer», sagt Rudin. Vielmehr müsse die Kirche die Perspektive der Opfer einnehmen und klarstellen, dass sie in Zukunft bei der Prävention und der Verfolgung von Missbräuchen höchste Standards erfüllt.

Zu den Personen

Michel Rudin ist Partner eines Kommunikationsunternehmens in Luzern. Bis 2022 war er Co-Präsident von Pink Cross. Seit 2021 ist er Synodaler der Reformierten Kirche des Kantons Luzern. Ausserdem ist Rudin Co-Präsident der grünliberalen Partei des Kantons Luzern.

Florian Schubert ist Pfarrer in Neuenburg und Synodalrat der Neuenburger Kantonalkirche. Vor seiner Wahl in den EKS-Rat war er Vize-Präsident der EKS-Synode. Der 38-Jährige stammt ursprünglich aus Basel und ist zweisprachig aufgewachsen. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern. (pef)

Doch so leicht lässt sich die Studie nicht umsetzen. Es ist letztlich auch von den Landeskirchen abhängig, ob es sie geben wird oder nicht (ref.ch berichtete). Nur die Mitgliedkirchen können der EKS einen entsprechenden Auftrag erteilen. Umso spannender wird laut Schubert die Sommersynode der EKS in Neuenburg. «Dann wird klar, wo wir alle stehen.» Für solche Debatten existiere der Dachverband schliesslich, findet Schubert.

Ökumene und Hilfswerke

An der Sommersynode bleiben die beiden jüngsten Räte voraussichtlich im Hintergrund. Noch sind sie daran, sich in ihre eigenen Ressorts einzuarbeiten. So befasst sich Florian Schubert als EKS-Vertreter in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz etwa mit der Frage, wie der Ökumene neuer Schwung verliehen werden kann und wie sich die christlichen Kirchen in Zeiten der interreligiösen Spannungen positionieren sollten.

Michel Rudin arbeitet in der «Koordinationskonferenz Missionsorganisationen und EKS» an einem neuen Rahmenvertrag zwischen der EKS und DM sowie Mission 21. Der Auftrag dazu kommt von der Synode und beinhaltet auch eine Überprüfung der finanziellen Situation der Organisationen. Gerade Mission 21 etwa verzeichnet seit Jahren einen Rückgang bei den Spenden.