80 Jahre Kriegsende
Fliegerbomben fallen auf Zürich
Die Pauluskirche in der Nähe der heutigen Universität Irchel wurde 1934 fertiggestellt. Sie war für die Zeit ein moderner und ausladender Bau. Alles an ihr ist gross: 1400 Menschen finden im Innern Platz, der Vorplatz ist beinahe so gross wie ein Fussballfeld und im Glockenturm hängt das grösste Geläut des Kantons – die grösste Glocke wiegt über sechs Tonnen.
Doch Anfang März 1945 hätte nicht viel gefehlt und sie wäre zerstört worden. Zu dieser Zeit flogen immer wieder alliierte Verbände über die Schweiz: entlang des Mittellandes oder über Graubünden und das Tessin. Einen Monat früher hatten amerikanische Bomber versehentlich Rafz angegriffen und ein Jahr zuvor fielen Bomben auf Schaffhausen – 40 Menschen wurden getötet und 34 schwer verletzt.
Wie sich später herausstellte, überflogen Kriegsflugzeuge der amerikanischen Armee am 4. März die Stadt Zürich. Das Geschwader warf irrtümlich mehrere Fliegerbomben von 250 Kilogramm Gewicht ab, ebenso wie zahlreiche Brandbomben, wie die «NZZ» nach dem Unglück schrieb. Die meisten Bomben seien im Wald gelandet und detoniert. Doch manche trafen bewohntes Gebiet – wenige hundert Meter von der Pauluskirche entfernt.
Die Behörden gaben an, dass das Unglück fünf Menschenleben gefordert habe. Die Detonationen riefen viele Organisationen auf den Plan. Der technisch-militärische Dienst, die Polizei, das Ortskommando, der Luftschutz und die Ortswehr seien sofort zur Stelle gewesen.
Ein NZZ-Journalist beschrieb die Situation so: «Ein Bild furchtbarer Zerstörung bot sich uns schon von Weitem. Eine Bombe hatte einen tiefen Krater gerissen. Ein Gewirr von Holzbalken, eine mit Konfitüre verschmierte Türe, zerborstene Möbel bieten einen trostlosen Anblick. Unser Blick haftet am Waldrand, wo in den Bäumen Fetzen von Kleidern im Wind wie Trauerfahnen wehen.»