Europas Protestanten starten Dialog mit dem Vatikan

In einem Festgottesdienst im Basler Münster unterzeichneten der Präsident der europäischen Protestanten, Gottfried Locher, und Kurienkardinal Kurt Koch eine Absichtserklärung zum gemeinsamen Gespräch. Unter den rund 600 Gästen war auch Bundesrat Ignazio Cassis.

Gottfried Locher und Kurt Koch mit der unterzeichneten Absichtserklärung im Basler Münster. (Bild: Gion Pfander)

Erstmals treten Europas Protestanten geschlossen in einen Dialog mit dem Vatikan. Aus Anlass der 8. Vollversammlung der Gemeinschaft der Evangelischen Kirchen Europas (GEKE) unterzeichneten ihr Präsident Gottfried Locher und Kardinal Kurt Koch am Sonntagmorgen im Basler Münster eine entsprechende Absichtserklärung.

Nicht alles «verhandelbar»

Der Dialog sei Herausforderung und Chance zugleich, sagte Kardinal Koch vor den rund 600 Gottesdienstteilnehmern. Koch bedankte sich bei der GEKE für die Idee zum Dialog, sie sei ein «wunderschönes Zeichen». Gottfried Locher betonte die historische Bedeutung der Erklärung. Zugleich erinnerte er daran, dass es Fragen gebe, die aus protestantischer Sicht nicht verhandelbar seien. Dazu gehöre zum Beispiel die Frauenordination.

  • Die Teilnehmer des «Schweizertages» versammelten sich am Sonntagmorgen vor dem Basler Münster. (Bilder: Gion Pfander)

Dem zweistündigen Festakt wohnte auch Aussenminister Ignazio Cassis bei. In seinem Grusswort des Bundesrates bezeichnete er die Absichtserklärung als wichtigen Schritt. Dies umso mehr, als «in der Vergangenheit nicht immer das Verbindende betont wurde, sondern oft auch das Trennende.» Cassis verwies weiter auf die Politik, in der der Geist des Kompromisses ebenfalls wichtig sei. Mit seiner christlichen Tradition und seiner Offenheit sei Basel der ideale Ort für ein neues Miteinander.

Miteinander statt Abgrenzung

An dem Anlass nahmen auch andere Vertreter aus der Politik teil, so zum Beispiel der Baselbieter Landratspräsident Hannes Schweizer und Grünen-Nationalrätin Maya Graf. Gegenüber ref.ch sagte Graf, es sei zu begrüssen, dass die Kirchen Toleranz und Offenheit lebten. «Gerade in der heutigen Zeit ist es wieder wichtig, ein solidarisches Miteinander zu pflegen, statt sich abzugrenzen.»

Erstmals wieder in der Schweiz

Der sogenannte «Schweizertag» im Basler Münster stand unter dem Motto «Verbunden in Christus – engagiert in Europa». Er ist der Höhepunkt der GEKE-Vollversammlung, die noch bis zum 18. September dauert.

Die GEKE vertritt rund 50 Millionen Protestanten aus fast 100 lutherischen, methodistischen, reformierten und unierten Kirchen in ganz Europa. Sie wurde 1973 mit dem Ziel gegründet, die Spaltung zwischen reformierten und lutherischen Kirchen zu überwinden. Zum ersten Mal seit 45 Jahren tagte sie wieder in der Schweiz. (no)