EKS: Bundesrat soll sich für Armenien einsetzen
Aserbaidschans Armee hat am 19. September 2023 die Region Nagorni Karabach erobert und rund 150’000 Armenierinnen und Armenier vertrieben (ref.ch berichtete). Die Ratspräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), Rita Famos, war zum Zeitpunkt des Angriffs mit einer Delegation des Weltkirchenrats (ÖRK) auf dem Weg in die Region, um auf die Lage der Menschen in Bergkarabach aufmerksam zu machen. Wenige Kilometer vor dem Ziel mussten die ÖRK-Vertreter umkehren, um nicht in Gefahr zu geraten (ref.ch berichtete).
Nun befürchtet die EKS den Ausbruch eines weiteren Konflikts: Aserbaidschan erhebe Anspruch auf einen Korridor im Süden Armeniens. Würde Aserbaidschan hier einen Landstreifen besetzen, hätte es eine Landverbindung in seine Exklave Nachitschewan.
Eine weitere militärische Auseinandersetzung sei wahrscheinlich, schreibt die EKS in einer Mitteilung. Die Schweizer Aussenpolitik sei gefordert, sich im UN-Sicherheitsrat für eine friedliche Lösung und die Einhaltung des Völkerrechts einzusetzen.
Kaukasus-Experten sehen verschiedene Faktoren, die eine weitere Offensive Aserbaidschans begünstigen könnten. Russland trat bislang als Schutzmacht Armeniens in der Konfliktregion auf. Im Zug des Kriegs in der Ukraine hat es die Truppen abgezogen.
Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat wiederholt von einem Handelsweg von der Türkei bis nach Zentralasien gesprochen: Die Landverbindung von Nachitschewan nach Aserbaidschan ist dafür entscheidend. Der armenische Politikwissenschaftler Gurgen Simonjan sagte gegenüber «ZDF», sein Land müsse aufrüsten, ein weiterer Krieg sei unausweichlich. (dst)