Der Rat wird jünger – aber männlicher
Zwei Sitze, drei Kandidaten: Die Ersatzwahlen für den Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) versprachen, spannend zu werden. Doch eines stand bereits im Vorfeld der Herbstsynode fest: Ab 2024 wird aus der Frauen- eine Männermehrheit in der Exekutive der EKS. Auf die frei werdenden Sitze der beiden EKS-Rätinnen Claudia Haslebacher und Lilian Bachmann hatten sich ausschliesslich Männer beworben (ref.ch berichtete).
Für Gabriela Allemann, Delegierte der Frauen- und Genderkonferenz, war das kein Grund zur Freude. «Wir hoffen, dass es bei der nächsten Wahl anders sein wird», sagte sie. Dennoch gab sie eine Wahlempfehlung ab. Michel Rudin habe sich durch sein Engagement für Diversität ausgezeichnet, sein Netzwerk könne für die EKS nützlich sein, so Allemann.
Weniger deutlich als das Wahlresultat ist an der EKS-Synode die Entscheidung ausgefallen, ob die Exekutive ein Assoziierungsabkommen mit dem Johanniterorden ausarbeiten soll. Während der Rat die Bedingungen für ein Abkommen als erfüllt betrachtet, gab es aus der Synode Kritik: Der Orden steht nur Männern offen. Der Ausschluss von Frauen lasse sich mit dem Zweck der Johanniter nicht rechtfertigen, argumentierte etwa die Zürcher Synodale Esther Straub.
Weder hätten sich die Johanniter-Mitglieder für ein gemeinsames Leben entschieden, noch leisteten ausschliesslich Männer diakonische Arbeit. Selbst der katholische Malteserorden nehme mittlerweile Frauen auf. Straub forderte, dass der Orden seine Statuten anpasst, bevor der Rat ein Abkommen aushandle.
25 Synodale teilten diese Ansicht und lehnten die Ausarbeitung eines Abkommens ab. 36 Synodale folgten hingegen dem Antrag des Rats und erteilten ihm das Verhandlungsmandat. Manche drückten ihre Hoffnung aus, dass der Orden die Kritik als Anlass für Reformen nutzt. Ist das Abkommen ausgearbeitet, kann die Synode erneut darüber abstimmen. (pef)
Der Unternehmer und GLP-Politiker Michel Rudin trat als kirchenpolitischer Aussenseiter zur Wahl an. Erst seit zwei Jahren engagiert sich der ehemalige Co-Präsident von Pink Cross in der Synode der Reformierten Kirche des Kantons Luzern. Die beiden weiteren Kandidaten, Florian Schubert und Thomas Gugger, konnten hingegen auf ihr langjähriges Engagement in der Kirche verweisen. Schubert ist Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Neuenburg, Gugger Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche beider Appenzell.
Dass der zweisprachige Florian Schubert Vize-Präsident der EKS-Synode ist und auf die geschlossene Unterstützung der Westschweizer Kantonalkirchen zählen konnte, bescherte ihm ein Glanzresultat. Er erhielt 63 Stimmen. Damit wurde er abzüglich fünf leerer Wahlzettel und einer ungültigen Stimme von allen Synodalen gewählt. «Ich freue mich sehr, nicht nur als Kandidat der Westschweiz wahrgenommen zu werden», sagt Schubert. Das Resultat ermutige ihn, weiterhin Brücken zwischen den verschiedenen Sprachregionen und Landesteilen zu schlagen.
Das wird er gemeinsam mit Michel Rudin tun können, der sich selbst ebenfalls als Brückenbauer bezeichnet. Rudin setzte sich mit 50 Stimmen überraschend klar gegen Thomas Gugger durch, der lediglich 19 Voten auf sich vereinen konnte. «Ich dachte, das Resultat falle knapper aus», sagt Rudin. Es handle sich um einen schönen Vertrauensbeweis der Synodalen.
Schubert und Rudin vereint, dass sie beide 37 Jahre alt und damit deutlich jünger als die restlichen Mitglieder des EKS-Rats sind. Auch dieses Kriterium dürfte bei der Wahl eine Rolle gespielt haben.