Pflege

Ein Hospiz für unheilbar kranke Kinder entsteht bei Zürich

In der Schweiz gibt es noch kein Kinderhospiz. Drei Projekte sind allerdings weit fortgeschritten. In Fällanden bei Zürich hat der Spatenstich für einen 18-Millionen-Franken-Bau stattgefunden. Eröffnen wird das Hospiz frühestens Ende 2025.

Eines der ersten Kinderhospize der Schweiz entsteht in Fällanden bei Zürich. Kinder mit unheilbaren Krankheiten werden sich hier tageweise aufhalten oder Palliativpflege bekommen. (Visualisierung: Raumgleiter AG, Schlieren)

Tod und Sterben sind Tabuthemen in der Gesellschaft. Doch was ist mit Tod und Sterben von Kindern – was ist die Steigerungsform von Tabu? Unheilbar kranke Erwachsene können in einer Palliativstation aufgenommen werden. Wer diese jedoch verlässt, nicht zuhause gepflegt werden kann – und nicht in ein Pflegeheim gehen will –, ist auf ein Hospiz angewiesen.

Derzeit gibt es in der ganzen Schweiz Hospize, allerdings nicht in jedem Kanton und offenbar verfügen sie über zu wenig Betten. Laut der Fachzeitschrift «palliative.ch» müsste es 250 bis 350 Betten geben, um den Bedarf zu decken. Verfügbar sind im ganzen Land jedoch nur 72.

Es gibt auch Kinder, die eine unheilbare Krankheit haben und auf Palliativpflege angewiesen sind. Ihre Eltern und Geschwister würden davon profitieren, wenn sich die erkrankten Kinder tageweise im Hospiz zur Pflege aufhalten könnten. Pfarrerin Christina Huppenbauer, Leiterin Spezialseelsorge bei der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, sagt: «Es ist wichtig, dass Eltern und Angehörige in dieser Situation Unterstützung bekommen.» Die Seelsorge im Zusammenhang mit dem Tod von Kindern sei ein komplexes und anspruchsvolles Thema.

Doch anders als in den Nachbarländern gibt es in der Schweiz keine Kinderhospize. Allerdings sind drei Projekte im Gang – und unterschiedlich weit fortgeschritten. In ein paar Jahren sollen sie zusammen bis zu 26 Plätze für Kinder aufweisen.

Projekte in Bern, Basel und Zürich

Die Stiftung allani Kinderhospiz Bern baut gerade einen Bauernhof in der Nähe der Hauptstadt um und möchte die Einrichtung 2024 eröffnen. Der Verein Mehr Leben Basel plant den Bau eines Kinderhospizes. Bis zum Baubeginn 2027 muss der Verein Spenden in der Höhe von 9 Millionen Franken sammeln.

Den Spatenstich für ihr Projekt gefeiert hat Anfang Dezember die Stiftung Kinderhospiz Schweiz mit Sitz in Zürich. Zwischen der katholischen Kirche und dem Alterszentrum wird das Kinderhospiz «Flamingo» in der Zürcher Vorortsgemeinde Fällanden gebaut, wie in einer Mitteilung der Stiftung steht.

Die Kosten sind auf 18 Millionen Franken veranschlagt und werden vorwiegend durch Spenden gedeckt. Der Kanton Zürich hat seine Bereitschaft signalisiert, sich finanziell zu beteiligen: Im September hat der Regierungsrat beschlossen, die Stiftung mit 6 Millionen Franken aus dem Gemeinnützigen Fonds des Kantons Zürich zu unterstützen. Es ist ein Fonds, der mit Einnahmen aus der Lotterie gefüllt wird. Der Kantonsrat muss noch darüber entscheiden (ref.ch berichtete).

Pflege- und Familienzimmer

Die politisch und religiös neutrale Stiftung wurde 2009 gegründet mit dem Ziel, ein Kinderhospiz zu betreiben. Bisher hat sie Ferienwochen in Davos angeboten für Familien mit Kindern, die eine sogenannt lebenslimitierende Krankheit haben. Dadurch seien einerseits die Familien entlastet worden und andererseits habe die Stiftung Kontakte zu Ärzten, Kliniken und Spitex-Organisationen aufbauen können, wie Stiftungspräsident Jürg Herren in einem Interview in diesem Herbst sagte.

Nun wird das Kinderhospiz gebaut und Herren sagte in jenem Interview, wann Kinder das «Flamingo» besuchen werden: «Zum Beispiel, wenn sie aus einer Spitalbehandlung kommen. Im Hospiz können die Eltern an die Pflege herangeführt werden, damit der Start zuhause gelingt.» Durch regelmässige kurze Aufenthalte des Kindes sollten Eltern und Geschwister entlastet werden. Herren ergänzte: «Der dritte Fall ist, wenn die Eltern der kleinen Patienten entscheiden müssen, ob das Kind zuhause sterben soll, oder im Hospiz».

Im Neubau entstehen Räume, um das alles anbieten zu können. Das Erdgeschoss des dreistöckigen Kinderhospizes «Flamingo» umfasst unter anderem acht Pflegezimmer sowie einen Aufenthalts- und Essraum für die Familien. In den zwei oberen Etagen befinden sich neben den Zimmern für die Familienangehörigen unter anderen ein Aufgaben- und Spielzimmer, ein Multifunktionsraum für 50 Personen sowie ein Abdankungsraum. «Das Haus wird bunt und fröhlich sein», sagte Herren, «und komplett ausgerichtet auf die Pädiatrische Palliative Care».