«Dieser Zustand darf nicht noch ein Jahr andauern»

Die Kirchenleitungen von Bern-Jura-Solothurn und Zürich kritisieren den Vorschlag, dass eine Kommission die Hintergründe von Sabine Brändlins Rücktritt aus dem Rat der EKS untersuchen soll. Vor allem stören sie sich an der langen Frist bis nächsten Sommer. Der Synodepräsident hält dagegen.

Der Rat der EKS ist aufgefordert Transparenz zu schaffen. Im Bild Ulrich Knoepfel, Sabine Brändlin, Esther Gaillard, Gottfried Locher und Ruth Pfister-Murbach an der Versammlung im Juni 2019. (Bild: EKS / Monica Schulthess Zettel)

Der überraschende Rücktritt von Sabine Brändlin aus dem Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) wirft hohe Wellen. Dass die Hintergründe nun erst 2021 öffentlich werden könnten, wie es das Synodepräsidium beantragt, stösst deshalb auf Kritik.

So zweifelt beispielsweise der Zürcher Kirchenratspräsident Michel Müller, der zusammen mit seinen Kollegen der Kirchen Aargau, Waadt und Bern-Jura-Solothurn eine Interpellation zum Rücktritt einreichte, ob die vorgeschlagene Kommission wirklich der Transparenz diene.

Er befürchtet, dass die Fragen der Interpellanten dadurch nicht richtig beantwortet werden könnten. Denn so könnte der Rat zu diesem Zeitpunkt versuchen, die Auskunft zu verweigern und auf die Untersuchung der Kommission zu verschieben. Durch die spät angesetzte Frist könnte man sich in der falschen Hoffnung wiegen, dass die Angelegenheit bis dahin versandet.

«Schnapsidee»

Andreas Zeller, Synodalratspräsident von Bern-Jura-Solothurn, bezeichnet die lange Untersuchungsfrist denn auch als «absolute Schnapsidee». Zwei bis drei Monate müssten dafür genügen, sonst sei diese Kommission blosse Verzögerungstaktik. Zudem wäre der Rat in dieser Zeit kaum noch handlungsfähig.

Auch Michel Müller findet es «undenkbar», dass ein so angeschlagener Rat noch ein Jahr weiterarbeiten dürfe. «Das stellt kein Vertrauen her, das weckt nur Misstrauen.» Müller und Zeller hoffen daher auf eine detaillierte Beantwortung ihrer Interpellation an der Synode.

Kommission als Ergänzung

Auch Synodepräsident Pierre de Salis hofft auf eine Klärung des Konflikts. Die Probleme gingen tief, deshalb wolle man eine nichtständige Kommission einsetzen. «Das ist das Maximum, was das Synodepräsidium unternehmen kann», so de Salis.

Der Beschluss, eine solche Untersuchung vorzuschlagen, sei schon vor der Interpellation gefasst worden. Wenn die Interpellation und der Bericht der Geschäftsprüfungskommission nun alle Antworten bringen würden, dann sei die Kommission nicht mehr nötig, so de Salis. Doch wenn es noch Aufklärungsbedarf gebe, könnte sie eine wichtige Ergänzung sein.

Knapper Zeitplan

Die Kritik an der langen Frist weist Pierre de Salis ab. Eine Kommission könne wegen der Sommerferien erst ab Mitte August die Arbeit aufnehmen. Anfang Oktober müsste der Bericht feststehen, da er vier Wochen vor der November-Synode eingereicht werden müsste. Das sei zeitlich zu knapp für eine so heikle und komplexe Untersuchung.

Es sei also kein Spiel auf Zeit, betont Pierre de Salis. Und schon gar nicht habe der Rat Druck ausgeübt, um so Antworten hinauszögern zu können. Viel eher komme der Druck vom Synodepräsidium, indem es klare Antworten fordere.

«EKS ist nur mit sich selbst beschäftigt»

In einem sind sich jedenfalls alle einig: Es brauche Transparenz und das Vertrauen müsse wieder hergestellt werden. Denn diese Affäre schade der Kirche ausserordentlich. Dabei, so betonen Michel Müller und Andreas Zeller, werde gerade jetzt in der Corona-Krise an der Basis so gute Arbeit geleistet, während die EKS nur mit sich selbst beschäftigt sei. Dieser Zustand dürfe nicht noch ein Jahr andauern.

Sabine Brändlin hatte am 24. April überraschend ihren Rücktritt aus dem Rat der EKS bekanntgegeben. Ihre persönliche Erklärung und die Mitteilung des Rates wichen jedoch so stark voneinander ab, dass die Kirchenleitungen von Zürich, Waadt, Aargau und Bern-Jura-Solothurn auf einen internen Konflikt schlossen. Sie forderten deshalb in einer Interpellation, dass der Rat bis zur Synode Mitte Juni Auskunft gibt über die Hintergründe der Demission.