Landeskirchen fordern Klärung wegen Rücktritt im EKS-Rat

Um die Vorgänge zu klären, die zum Rücktritt von Sabine Brändlin aus dem Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) führten, haben mehrere Landeskirchen eine Interpellation eingereicht. Ihren Vorstoss begründen sie mit drohendem Vertrauensverlust und Reputationsschaden.


Auslöser für die Interpellation ist der Rücktritt von Sabine Brändlin aus dem Rat der EKS (ref.ch hat berichtet). Die Pfarrerin teilte am 24. April in einem Mediencommuniqué mit, dass sie wegen «persönlicher Gründe und unüberbrückbarer Differenzen» aus dem Rat der EKS zurücktritt. Dies obwohl sie das Amt immer mit Freude ausgeführt habe.

Die EKS schrieb daraufhin in einer Medienmitteilung, dass der Rücktritt in Zusammenhang mit einem laufenden Geschäft stehe. Das betreffende Ratsmitglied sei «wegen einer möglichen Befangenheit» in den Ausstand getreten. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes könnten aber keine weiteren Auskünfte gegeben werden.

Interpellation soll Transparenz bringen

Nicht zufrieden mit diesen Informationen sind die Leitungen der reformierten Kirchen Aargau, Bern-Jura-Solothurn, Waadt und Zürich. Sie fordern nun eine Klärung «bezüglich der Vorgänge, die zum Rücktritt des Ratsmitglieds geführt haben», heisst es in der Medienmitteilung zur Interpellation vom 8. Mai.

In ihrem Vorstoss weisen die Kirchenleitungen darauf hin, dass die beiden Mitteilungen deutlich voneinander abweichen würden. Zudem kritisieren sie die Meldung der EKS. So sei Sabine Brändlin nicht mit Namen genannt worden und die Mitteilung verzichte «entgegen der Gepflogenheit» auf Bedauernsbekundungen und Dank.

«Erheblicher Konflikt»

Die Kirchenleitungen schliessen aus dem Rücktritt und dessen Kommunikation auf einen «erheblichen Konflikt». Es sei aber unklar, wer dafür die Verantwortung trage. Die fehlenden Informationen würden zu «Spekulationen und Unsicherheiten» führen – und damit möglicherweise auch zu einem «Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust und dem Risiko eines Reputationsschadens».

«Es darf nun keinesfalls der Eindruck entstehen, dass bei der EKS etwas unter den Teppich gekehrt werden soll», sagt auch Michel Müller, Kirchenratspräsident der Zürcher Landeskirche, auf Nachfrage von ref.ch. Aus diesem Grund hätten sich die vier Landeskirchen für den Weg der Interpellation entschieden.

Müller geht davon aus, dass es an der Synode von Mitte Juni zu einer Diskussion des Vorstosses kommt. Zwar gebe es durchaus Dinge, die der Rat auch auf Anfrage nicht offenlegen müsse. «Bisher hat er aber rein gar nichts zu dem betreffenden Geschäft kommuniziert. Das scheint mir nicht legitim.»

Personal- oder Sachgeschäft?

Die Kirchenleitungen zeigen sich besorgt über die Handlungsfähigkeit des EKS-Rates und seines Präsidenten. Das seien zwei der drei Leitungsorgane der EKS; das oberste Leitungsorgan, die Synode, sei wegen der Corona-Krise auch nur beschränkt funktionsfähig, schreiben sie in ihrem Vorstoss.

Deshalb fordern sie, dass der Rat zwölf konkrete Fragen zum Geschäft beantwortet. So wollen die Kirchenleitungen unter anderem wissen, ob es sich um ein Personal- oder Sachgeschäft handelt und wer davon betroffen ist. Zudem stellen sie die Frage, worin die Befangenheit des zurückgetretenen Mitglieds besteht und wer Persönlichkeitsschutz beantragt. Zum Schluss sollen auch allfällige finanzielle Mittel für Kommunikations- und Anwaltskosten offengelegt werden.

Diese Fragen soll der Rat nun bis zur EKS-Synode vom 15. Juni beantworten. Diese wird voraussichtlich wegen des Coronavirus virtuell durchgeführt. (mos/vbu)