Deutschland

«Der ganze Genderdreck»: Bremer Pastor vor Gericht

Seit Jahren laufen Prozesse gegen den Bremer Pastor Olaf Latzel, der sich abfällig über Homosexuelle geäussert hat. Die entscheidende Frage in der zweiten Berufung: Sind seine Worte von der Religions- und Meinungsfreiheit gedeckt?

Das Landgericht in Bremen führt aktuell den dritten Prozess gegen den evangelischen Pastor Olaf Latzel. Dem 56-jährigen Theologen der konservativen Bremer St. Martini-Gemeinde wird Volksverhetzung vorgeworfen. Latzel hatte sich in einer «biblischen Fahrschule zur Ehe» im Oktober 2019 abfällig über die «Gender-Bewegung» und über Homosexuelle geäussert. Damit eckte er nicht zum ersten Mal an (ref.ch berichtete).

Das Verfahren zieht sich schon über Jahre hin. Das Bremer Amtsgericht hatte Latzel aufgrund seiner Äusserungen auf seinem reichweitenstarken Youtube-Kanal im November 2020 zu einer Geldstrafe verurteilt. In der nächsten Instanz hatte ihn das Landgericht freigesprochen. Die Begründung: Seine Worte seien von der Religions- und Meinungsfreiheit gedeckt.

Das Oberlandesgericht kam in einer Revision des Urteils zu einem anderen Schluss: Die Menschenwürde beschränke die Religionsfreiheit. Natürlich könne man sich kritisch zur Homosexualität äussern. Dann aber komme es auf Form und Wortwahl an. Nach der Entscheidung des Oberlandesgerichtes geht das Verfahren nun zurück an das Landgericht.

Vor etwa 30 Ehepaaren hatte Latzel gesagt, Homosexualität sei eine «Degenerationsform von Gesellschaft». Er warnte vor einer «Homolobby». Und auch: «Überall laufen diese Verbrecher rum von diesem Christopher Street Day. Der ganze Genderdreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung, ist zutiefst teuflisch und satanisch.» Eine Tonaufnahme davon war mit Zustimmung des Pastors auf Latzels Youtube-Kanal veröffentlicht worden, der aktuell knapp 60’000 Abonnenten hat. Später wurde der Mitschnitt gelöscht, Latzel entschuldigte sich für seine Worte.

Der Theologe ist seit Dezember 2007 Pastor der Bremischen Evangelischen Kirche. Aufgrund seiner Äusserungen hat die Kirchenleitung im Oktober 2019 ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet. (epd/ dst)