Antisemitismus
Davoser Hotel soll jüdische Gäste abgewiesen haben
In der realen Welt nehmen die antisemitischen Vorfälle ab – von 221 im Jahr 2024 auf 177 im vergangenen Jahr – doch online nehmen sie zu. Der Antisemitismusbericht 2025 des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) und der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) nennt 2185 Onlinevorfälle (2024: 1596). Über 1400 Vorfälle hätten sich auf der Messenger-Plattform Telegram ereignet.
Bei der Zeitung «Südostschweiz» stellt man sich die Frage, weshalb sich im Kanton Graubünden verhältnismässig viele antisemitische Vorfälle ereignet haben. Mit zehn Meldungen liegt er hinter Zürich, Basel-Stadt und Bern auf Rang vier. Am häufigsten fanden solche Ereignisse in Davos statt. Durch den Antisemitismusbericht sei auch ein bisher unbekannter Fall ans Licht gekommen, schreibt die «Südostschweiz»: Ein Hotel in einem Davoser Seitental habe jüdische Gäste mit der Begründung abgewiesen, man vermiete keine Zimmer an Juden.
SIG-Generalsekretär Jonathan Kreutner sagte auf Anfrage der Zeitung, die Vorfälle in Davos könnten damit zusammenhängen, dass sich während kurzer Zeit viele erkennbar jüdische Touristen in der Stadt aufhalten: «Das fällt auf.» Zu Spitzenzeiten seien Mitarbeitende des SIG vor Ort als Ansprechpersonen und Vermittler. Der Davoser Landammann Philipp Wilhelm erklärte, dieser Dialog habe sich bewährt. Doch gewisse Übergriffe seien auch durch Personen begangen worden, die dank der guten Verkehrsanbindung nur für einen Tag aus der Bündner Herrschaft in den Tourismusort gekommen seien. (dst)