Deutschland

Christentreffen in unsicheren Zeiten

In Frankfurt hat der 3. Ökumenische Kirchentag begonnen. Die Grossveranstaltung findet vor allem online statt. Die Ökumene soll dennoch wachsen – dabei wird sogar ein Streit mit dem Vatikan riskiert.

Der diesjährige Ökumenische Kirchentag findet unter dem Motto «schaut hin» vor allem online statt. So wurde der Eröffnungsgottesdienst auf einem Parkhausdach durchgeführt und im Fernsehen und im Internet übertragen. (Bild: ÖKT)

Gesellschaftlicher Zusammenhalt, globale Verantwortung und Glauben sollen auf dem 3. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in Frankfurt am Main im Zentrum stehen. Der ÖKT findet vom 13. bis zum 16. Mai aufgrund der Corona-Pandemie dezentral und weitgehend im Internet statt. Man sei mehrfach kurz davor gewesen, den Anlass ganz abzusagen, verriet dessen evangelische Präsidentin, Bettina Limperg, kürzlich. Die Corona-Pandemie macht Planungen unmöglich. Mehrfach musste umorganisiert werden, gut fünf Monate vor dem Event entschieden die Veranstalter schliesslich: Der Kirchentag findet statt, doch ohne Besucher vor Ort und mit überwiegend digitalen Formaten.

Unter dem biblischen Leitwort «schaut hin» sind rund 100 Veranstaltungen geplant. Sie werden von mehr als 300 Aktionen und Gottesdiensten in ganz Deutschland begleitet. Mit dabei sind unter anderem auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Programm auf der Internetseite ist frei zugänglich. Die einzigen Veranstaltungen, die mit Teilnehmern stattfinden, sind die konfessionellen Gottesdienste mit Mahlfeiern am Samstagabend und der Abschlussgottesdienst am Sonntag.

Gastfreundschaft leben

Laut dem katholischen Präsidenten, Thomas Sternberg, will der ÖKT dazu beitragen, der Gesellschaft aus der aktuellen Krise zu helfen: «Es gibt viel zu besprechen – und viel zu verteidigen in diesen Zeiten: die Demokratie an sich, die Notwendigkeit von Solidarität und die Relevanz der Religion in der säkularen Gesellschaft und für jede und jeden Einzelnen.»

Dabei geht es einerseits um die globalen und gesellschaftlichen Grossthemen Klimawandel und die Folgen der Corona-Krise, andererseits soll das Christentreffen auch ökumenisches Wachstum bescheren. Die Abendmahlsfeiern am Samstagabend sind dabei besonders im Blick. Erstmals soll das Konzept der eucharistischen Gastfreundschaft gelebt werden. Viele Christinnen und Christen wünschen sich, dass sie mit ihren Glaubensgeschwistern der jeweils anderen Konfession Abendmahl feiern können.

Streit mit Vatikan riskiert

Bei den Gottesdiensten mit Abendmahl oder Eucharistie am letzten Abend des Kirchentags sollen Christinnen und Christen gleich welcher Konfession an allen Mahlfeiern teilnehmen können, wenn sie dies mit ihrem Gewissen vereinbaren können.

Damit riskieren vor allem die katholischen Organisatoren, neben dem Zentralkomitee auch das Bistum Limburg mit Bischof Georg Bätzing, einen Streit mit dem Vatikan. Bätzing ist zugleich Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz.

Keine theologischen Gründe für Ausschluss

Die Organisatoren berufen sich auf die vor zwei Jahren veröffentlichte Studie «Gemeinsam am Tisch des Herrn» des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen. Diese kam zum Schluss, dass es keine theologischen Gründe gebe, die jeweils andere Konfession vom Abendmahl auszuschliessen. Die Theologinnen und Theologen sprachen sich daher für eine wechselseitige Teilnahme am Abendmahl der jeweils anderen Konfession aus. Doch der Vatikan lehnt das ab.

Der ÖKT wird gemeinsam vom Deutschen Evangelischen Kirchentag und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken veranstaltet. (epd/mos)