Nachruf auf Hans Küng

«Wir trauern um den protestantischen Katholiken»

Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz ehrt den verstorbenen Hans Küng als kritischen Geist und unermüdlichen Kämpfer für den Frieden. Mehrere Schweizer Protestanten haben auf den Tod des katholischen Theologen reagiert.

Einen Tag nach seinem Tod haben zahlreiche Menschen dem Schweizer Theologen Hans Küng ihren Respekt gezollt. So schrieb die ehemalige Hannoveraner Landesbischöfin Margot Kässmann in einem Nachruf für «Die Zeit», Küng sei ein Visionär gewesen: «Es braucht Beharrungsvermögen, Kraft und langen Atem, um Visionen zu entfalten. Aber wir brauchen Visionen, um die Zukunft der Welt, der Menschheit, der Religionen, der Kirchen zu gestalten.»

Wichtig für die Ökumene

Auch die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) reagierte auf den Tod des in Sursee geborenen katholischen Kirchenkritikers. «Die Welt verliert einen grossen internationalen Theologen, einen kritischen Begleiter seiner Kirche und einen unermüdlichen Kämpfer für eine friedlichere und menschenfreundlichere globale Gesellschaft», schreibt die EKS in einem Nachruf. Küng habe auch im ökumenischen Dialog den Takt angegeben und weit voraus gedacht. «‹Wahres Christsein bedeutet heute ökumenisches Christsein›», schrieb er in ‹Christ sein›, wobei er die Ökumene immer weiter fasste.» Er selbst habe sich gern als «evangelischen Katholiken» bezeichnet.

Küng starb am 6. April in seinem Haus in Tübingen, wie die von ihm gegründete Stiftung Weltethos auf Facebook mitteilte (ref.ch berichtete). Zeit seines Lebens gehörte er zu den bekanntesten Kritikern der katholischen Kirche, was ihn zwar die kirchliche Lehrerlaubnis kostete, aber gleichzeitig auch populär machte. «Sein Mut und sein Widerspruchsgeist werden der Kirche fehlen, über alle Konfessionsgrenzen hinweg, und gerade heute», schreibt die EKS.

«Danke für die Vorarbeit»

Auch die Präsidentin der EKS, Rita Famos, äusserte sich zu Küngs Tod. «Als junge Studentin habe ich Hans Küng verschlungen, denn er hatte die Fähigkeit, theologische Themen, die die Menschen beschäftigten, für eine breite Leserschaft zugänglich zu machen», wird sie auf dem Portal kath.ch zitiert.

In den Sozialen Medien reagierte ebenfalls eine Reihe von Reformierten auf den Tod des Schweizers. So schrieb Res Peter, Mitglied der Zürcher Kirchenpflege, auf Facebook, «ein katholischer Barthianer, Prophet, Visionär und spiritueller Intellektueller» sei nun im Paradies. Der Berner Pfarrer Christian Walti meinte auf Twitter, man könne von Küngs Idee des Weltethos halten, was man wolle; aber es sei «tausendmal besser als ‹Gar-kein-Ethos› in den Weltreligionen. Danke für die grosse Vorarbeit! Ruhe in Frieden.» (vbu)