Schweiz
Neue Charta ruft zum Engagement gegen Radikalisierung auf
Verabschiedet wurde die Charta gegen Radikalisierung und Extremismus vom Sicherheitsverbund Schweiz (SVS) und Partnerorganisationen. Justizminister Beat Jans und Vertreterinnen und Vertreter von Kantonen und Städten stellten sie in Bern den Medien vor.
Die Charta versteht sich als gemeinsamen Auftrag und nennt drei Grundprinzipien: Das erste ist die Stärkung des Zusammenhalts, das zweite das kritische Denken. Das dritte ist das vereinte Handeln. Im Internet will der Sicherheitsverbund ratsuchenden Personen weiterhelfen.
Zahl der Radikalisierten steigt
Seit 2023 steige in der Schweiz und in anderen Ländern Europas die Zahl der Jugendlichen, die sich radikalisierten, schrieb das Justiz- und Polizeidepartement (EJPD). Nicht immer gehe es um Islamismus. Auch innerhalb der «Incel»-Bewegung, die zu Frauenhass anstachle, radikalisierten sich junge Männer.
Mit der Charta wollen die Behörden und Organisationen jene ansprechen, die mit Jugendlichen zu tun haben, zum Beispiel Eltern, Lehrkräfte, Trainerinnen und Trainer, Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen, Vereine und Institutionen.
«Viel öfter als die Strasse sind die eigenen vier Wände der Tatort», sagte die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr. Denn Manosphere-Anhänger verhielten sich zuhause dominant und kontrollierend. «Die Partnerinnen sollen sich ihnen unterordnen.»
Fachleute seien nahe bei den Betroffenen, zum Beispiel bei Jugendlichen auf der Suche nach Orientierung, sagte der Bündner Sozialdirektor Marcus Caduff. «Sie sollen wissen, wie sie reagieren sollen, wenn sie Anzeichen einer Radikalisierung erkennen.»
Bei ersten Warnsignalen einschreiten
Wirksames Vorgehen gegen Radikalisierung beginne da, wo es erste Warnsignale gebe, sagte Matteo Cocchi, Tessiner Polizeikommandant und Präsident der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandantinnen und -kommandanten der Schweiz (KKPKS). Die Polizei-Ausbildung werde mit Blick auf Radikalisierung laufend angepasst.
Justizminister Jans will sich nach dem Ende des laufenden zweiten nationalen Aktionsplans zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus für einen dritten Plan dieser Art einsetzen. Dieser solle ein Monitoring enthalten, um neue Radikalisierungstendenzen zu erfassen, sagte er. (sda/ gab)