Einfrieren von US-Hilfsgeldern

EKS appelliert an den Bundesrat

Die US-Regierung kürzt der Behörde für Entwicklungszusammenarbeit die Gelder drastisch. Das trifft auch die Schweizer Hilfswerke. Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz fordert den Bundesrat nun auf, sich «mit aller Kraft» für den Erhalt humanitärer Strukturen einzusetzen.
Die Hilfsgüter der USAID sind für Menschen in Kriegs- oder Krisengebieten lebenswichtig. Das Foto zeigt den Alltag in einem Camp in einem Vorort bei Mogadishu in Somalia im Februar 2025. (Bild: Farah Abdi Warsameh/ AP)

Knall auf Fall hat die US-Regierung unter Präsident Donald Trump entschieden, die Behörde für Entwicklungszusammenarbeit USAID zu verkleinern (ref.ch berichtete). Das führt dazu, dass auch Schweizer Organisationen wie das Hilfswerk der Evangelischen Kirche der Schweiz (Heks) sparen müssen. «Die Auswirkungen sind dramatisch», sagte Heks-Auslandleiter Bernhard Kerschbaum kürzlich im Interview mit dieser Redaktion.

Nun appellieren das Heks, Caritas Schweiz, die Fastenaktion und die Schweizer Bischofskonferenz in einem offenen Brief an den Bundesrat, sich für die humanitäre Hilfe einzusetzen. Den Brief hat auch Rita Famos unterzeichnet, die Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS). «Mit grosser Besorgnis verfolgen wir die jüngsten Entwicklungen», heisst es im Schreiben.

Der Schweiz komme in der humanitären Hilfe eine besondere Verantwortung zu. «Als Hüterin der Genfer Konventionen dürfen wir nicht hinnehmen, dass Gelder radikal gestrichen werden. Die humanistische Tradition verpflichtet uns, aktiv einzugreifen». Die Unterzeichnenden fordern Aussenminister Ignazio Cassis dazu auf, sich «mit aller Kraft und Entschiedenheit» für den Erhalt der humanitären Strukturen einzusetzen.

Famos: Kirchen sollen nicht schweigen

Die Entwicklungen rund um den US-Entscheid gefährdeten Menschenleben. «Unzählige Programme der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit müssen von heute auf morgen eingestellt werden. Das stellt eine akute Bedrohung für Millionen von Menschen dar», sagt EKS-Präsidentin Rita Famos auf Anfrage.

Sie habe sich entschieden, den offenen Brief zu unterzeichnen, weil er ein Zeichen setze und die grundsätzliche Sorge um die humanitären Strukturen zum Ausdruck bringe. «Mir ist es wichtig, dass die Kirchen nicht schweigen, wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen», sagte Famos. Ihr sei es ein Anliegen, in den kommenden Monaten darüber zu diskutieren, wie die Kirchen sich «gezielt und effektiv» in die Bundespolitik «einbringen» könnten.

Vorerst keine zusätzlichen EKS-Gelder

Allein dem Heks fehlen durch den US-Entscheid 7,5 Millionen Franken. Die EKS selbst habe keine eigenen Mittel, um diese grossen Finanzierungslücken auszugleichen, sagte Famos. «Das ist eine Aufgabe, die in erster Linie von den Staaten und internationalen Organisationen getragen werden muss». Viele reformierte Kirchen in der Schweiz engagierten sich bereits intensiv für Entwicklungsprojekte. Laut Famos geben die EKS-Mitgliedkirchen und ihre Kirchgemeinden jährlich rund zehn Millionen Franken für die internationale Hilfe aus.

An der EKS-Sommersynode solle allerdings eine Vorlage diskutiert werden, bei der es darum gehe, finanzielle Unterstützung für Hilfswerke und Missionsorganisationen verbindlich zu regeln. Darüberhinaus stehe die EKS in regelmässigem Austausch mit politischen Akteuren und werde verstärkt darauf hinwirken, dass sich die Schweiz nicht nur als Financier, sondern auch als Impulsgeber für eine «reflektierte und nachhaltige» Entwicklungszusammenarbeit positioniere.

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