Bistum Chur

«Bonnemains Wahl stimmt mich zumindest zuversichtlich»

Papst Franziskus hat Joseph Bonnemain zum neuen Bischof von Chur ernannt. Die Reformierten sehen in seiner Wahl ein positives Signal – für die Ökumene und die Frauen in der katholischen Kirche.

Von Bischof Bonnemain erhoffen sich die Reformierten neue ökumenische Impulse. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)

Die Grabenkämpfe im Bistum Chur sollen ein Ende haben. Mit Joseph Bonnemain hat Papst Franziskus einen Bischof ernannt, der als geschickter Diplomat und Brückenbauer gilt. Entsprechend erfreut reagierten die katholischen Kantonalkirchen auf die Wahl. Mit Bonnemain erhalte das Bistum einen Bischof, der die Zusammenarbeit mit den Kantonalkirchen gepflegt und weiterentwickelt habe, teilte die Römisch-Katholische Zentralkonferenz laut einem Bericht des Portals kath.ch mit.

Hoffnungen auf den neuen Bischof setzen indes auch die Reformierten. Denn unter Vorgänger Vitus Huonder fand ein ökumenischer Dialog mit dem Bistum Chur kaum mehr statt.

Neue Impulse für die Ökumene

EKS-Präsidentin Rita Famos kennt Bonnemain aus ihrer Zeit als Verantwortliche für die Spezialseelsorge in der Zürcher Kirche. Sie sei zuversichtlich, dass seine Wahl auch der Ökumene neue Impulse verleihe und zudem für die Frauen in der katholischen Kirche ein positives Signal sei. «Seine Erfahrungen aus der Spitalseelsorge, wo ökumenisches Zusammenwirken Alltag war und er Frauen in Leitungspositionen kennen- und schätzen lernte, wird sicher auch für sein Wirken als Bischof eine Rolle spielen», so Famos auf Anfrage von ref.ch.

Vorsichtig optimistisch zeigt sich auch die Dekanin der Bündner Kirche, Cornelia Camichel Bromeis. Jahrzehntelang habe es mit dem Bistum Chur kaum einen Austausch gegeben. «Mit der Ökumene kann es deshalb eigentlich nur aufwärts gehen», sagt sie.

«Neuanfang nicht von heute auf morgen möglich»

Camichel hofft, dass diese Kontakte wieder verstärkt gepflegt werden. «Ich kenne Bonnemain nicht persönlich, aber was ich über ihn lese, stimmt zumindest zuversichtlich», sagt sie. Ein Neuanfang werde allerdings kaum von heute auf morgen möglich sein. «Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Pflege der Ökumene das erste und dringlichste Thema eines neu gewählten Bischofs von Chur ist.»

Positive Veränderungen habe es teilweise schon unter Interims-Bischof Peter Bürcher gegeben, sagt Camichel. So sei man bei der Ankündigung der Pläne zu einer Autobahnkirche in Andeer erstmals wieder gemeinsam in der Öffentlichkeit aufgetreten. Dies habe sie sonst in ihrer ganzen Dekanatszeit nicht erlebt. «Es wäre zu wünschen, dass so etwas auch in Zukunft möglich ist», sagt Camichel.

«Glaubwürdigkeit bei der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs»

Im Hinblick auf die Ökumene sei Joseph Bonnemain eine gute Wahl, bestätigt auch der Zürcher Kirchenratspräsident Michel Müller. «Ich kenne ihn persönlich ziemlich gut und habe ihn bei diesem Thema immer als sehr konstruktiv erlebt.» Eine Schlüsselaufgabe Bonnemains sei nun die Besetzung des neuen Generalvikariats von Zürich und Glarus. «Ich hoffe, es findet sich ein geeigneter Kandidat», sagt Müller.

Hinzu komme, dass Bonnemains Amtszeit eine Übergangsphase sei. Aufgrund seines Alters werde er nicht länger als drei bis fünf Jahre im Amt bleiben. «Wir sind gespannt, was er in dieser kurzen Zeit für die Ökumene erreicht.»

Für Bonnemain spreche zudem seine Rolle bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. «Bonnemain war an dieser Aufarbeitung massgeblich beteiligt und hat dies mit grosser Glaubwürdigkeit getan», sagt Müller. Seine Wahl lasse hoffen, dass nun auch die Schweizer Bischofskonferenz neue Impulse erhalte. «Schliesslich ist dieses Thema auch für die Ökumene wichtig.»