«Von Huonders Nachfolger wünschen wir uns mehr Ökumene»

Der Churer Bischof Vitus Huonder bleibt vorläufig im Amt, obwohl er am Ostersonntag hätte abtreten sollen. Von seinem Amtsende hatten sich die Reformierten mehr Dialog mit der katholischen Kirche erhofft.


Der Churer Bischof Vitus Huonder und die Bistumsleitung bleiben im Amt, bis Huonders Nachfolge geregelt ist. Das teilte das Bistum Chur am 22. April mit. Huonder hätte eigentlich am Ostersonntag, seinem 77. Geburtstag, nach knapp 12 Jahren im Bischofsamt abtreten sollen. Ein neuer Termin für das Ende von Huonders Amtszeit ist laut dem Bischöflichen Ordinariat in Chur nicht bekannt.

Huonder ist innerhalb der katholischen Kirche stark umstritten. Mit seinen konservativen Ansichten zu Sexualität, Kirchenverfassung oder Lebensschutz hat er das Bistum Chur polarisiert. Seit 2014 fordert deshalb eine Allianz von katholischen Verbänden und Gruppierungen eine neue Leitung für das Bistum.

Hoffnung auf mehr Dialog

Auf reformierter Seite erhofft man sich von einem Rücktritt Huonders insbesondere neue ökumenische Impulse. Auf kantonalkirchlicher Ebene habe es in den vergangenen Jahren nur wenig Kontakt zum Bistum gegeben, ein ökumenischer Dialog habe kaum stattgefunden, sagt der Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Landeskirche Graubünden, Andreas Thöny. «Natürlich würden wir es begrüssen, wenn sich das unter dem Nachfolger Huonders ändert», sagte Thöny gegenüber ref.ch.

Mehr Dialog mit der katholischen Kirche erhofft sich auch die Dekanin der Bündner Kirche, Cornelia Camichel Bromeis. Es sei bedauerlich, dass Huonder die Ökumene nicht gepflegt habe. «Momentan können wir aber nicht mehr tun als abwarten», sagt sie.

Gelassen sieht man die Entwicklung in Zürich. Michel Müller, Kirchenratspräsident der Reformierten Kirche Kanton Zürich, sagt: «Für uns aus Zürcher Sicht ist die jetzige Situation eigentlich ziemlich günstig, weil wir bis auf Weiteres mit Generalvikar Josef Annen zusammenarbeiten». Diese Zusammenarbeit sei in den vergangenen Jahren immer konstruktiv gewesen. Zum Bistum Chur gehören neben Graubünden die Kantone Schwyz, Uri, Nidwalden, Obwalden, Glarus und Zürich.

Amtszeit geht in die zweite Verlängerung

Im Prozedere für die Ablösung von Huonder war vor Ostern kein Wort an die Öffentlichkeit gedrungen. Alle Namen, die im Zusammenhang mit der Nachfolge des abtretenden Churer Bischofs ins Spiel gebracht worden sind, gründen auf Spekulationen. Als der Churer Bischof dem Papst 2017 – dem Kirchenrecht folgend – den Rücktritt angeboten hatte, bat ihn der Vatikan, noch zwei Jahre zu bleiben. Diese beiden Jahre hätten am Ostersonntag geendet. Nun kommt es zu einer weiteren Verlängerung.

Neu ist eine solche Verlängerung für das Bistum mit seinen knapp 700’000 Katholikinnen und Katholiken in sechs Kantonen nicht. Bereits Huonders Vorgänger, Bischof Amédée Grab, leitete nach seinem 77. Geburtstag noch fünf Monate die Diözese als apostolischer Administrator. Huonder hingegen bleibt Bischof, wie ein Sprecher des Bistums Chur auf Anfrage präzisierte. (sda/no)