Bistum Chur hat einen neuen Bischof

Knapp zwei Jahre nach dem Rücktritt von Vitus Huonder hat das Bistum Chur einen neuen Oberhirten. Papst Franziskus ernannte den 72-jährigen Joseph Bonnemain zum neuen Bischof.

Das Bistum Chur teilte am 15. Februar mit, der Apostolische Administrator der Diözese, Bischof Peter Bürcher, gratuliere Joseph Bonnemain zur Ernennung und wünsche ihm für das zukünftiges Amt Gottes Segen. Bis zur Bischofsweihe und zur Amtseinsetzung des neuen Oberhirten über knapp 700'000 Katholikinnen und Katholiken leitet weiterhin Peter Bürcher die Diözese.

Bonnemain, oberster kirchlicher Richter des Bistums Chur, war vom Papst bereits auf jene Dreierliste gesetzt worden, aus welcher das Domkapitel letzten November den neuen Bischof hätte wählen sollen. Die 22 Domherren allerdings nahmen ihr Wahlrecht nicht wahr. Sie wiesen die päpstlichen Vorschläge zurück. Es war das erste Mal, dass das seit 1948 bestehende Wahlrecht nicht wahrgenommen wurde.

Medizin studiert

Joseph Bonnemain wurde am 26. Juli 1948 in Barcelona geboren. In Spanien wuchs er als Auslandschweizer auf und besuchte dort Primar- und Mittelschule bis zur Matura 1967. In der Schweiz studierte Bonnemain Medizin und schloss mit der Doktorwürde ab. 1978 wurde er zum Priester der als ultrakonservativ geltenden Organisation Opus Dei geweiht. Die erste Messe als Priester feierte er in der Pfarrei St. Anton in Zürich.

Zum Diözesanrichter wurde Bonnemain 1981 ernannt, ein Jahr später erfolgte die Berufung zum Vizeoffizial. Vorsitzender (Offizial) des Gerichtswesens der Diözese Chur wurde er 1989.

Grabenkämpfe seit Jahrzehnten

Bonnemain dürfte ein Übergangs-Bischof werden: Bischöfe müssen dem Papst gemäss Kirchenrecht im Alter von 75 Jahren den Rücktritt anbieten. Der Vorgänger im Amt des Churer Bischofs, Vitus Huonder, blieb noch rund zwei Jahre im Amt, nachdem er den Papst um den Rücktritt ersucht hatte.

Das Bistum Chur ist kein einfaches. Viele Katholikinnen und Katholiken wünschen sich einen Bischof, der Brücken baut. Denn Konservative und liberale Kräfte liefern sich seit Jahrzehnten Grabenkämpfe. Den Beginn dieser Kämpfe markierte der frühere Churer Bischof Johannes Vonderach. Er machte den konservativen Geistlichen Wolfgang Haas zum Weihbischof mit Nachfolgerecht.

Schweres Erbe

In einer ersten Reaktion schrieb am Montag der Zürcher Synodalrat, die Exekutive der Katholikinnen und Katholiken, Bonnemain trete ein schweres Erbe an. Vor dem neuen Bischof lägen viele Aufgaben, die von ihm nicht nur Geschick und Klugheit, sondern auch viel Kraft erforderten.

Und weiter hiess es: «Als katholische Kirche im Kanton Zürich freuen wir uns ausserordentlich, dass Papst Franziskus diese integrative Persönlichkeit mit dieser Aufgabe betraut hat. Wir bieten Joseph Bonnemain jede Unterstützung an, die in unserer Möglichkeit liegt.»

Weihbischof Eleganti tritt zurück

Ebenfalls am Montag informierte das Bistum Chur darüber, dass der Papst den Rücktritt (Emeritierung) des 65-jährigen Weihbischofs Marian Eleganti angenommen habe. Eleganti werde als Bischof und Seelsorger sowie als Referent und Exerzitienmeister seit Jahren in der Schweiz und darüber hinaus beansprucht. Das werde auch in den nächsten Jahren so bleiben, hiess es. (sda/no)