Basler Kirche will Doppelmitgliedschaft ermöglichen

Die Evangelisch-Reformierte Kirche Basel-Stadt will die Mitgliedschaft für Reformierte, die nicht im Kanton wohnen, öffnen. Sie reagiert damit auf Mitgliederrückgang und sinkende Einnahmen.

Wer sich einer Kirchgemeinde in der Stadt Basel zugehörig fühlt, soll künftig auch nach einem Wegzug Mitglied der baselstädtischen Kirche bleiben können. Stadtbild von Basel mit dem Münster und der Matthäuskirche (rechts). (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-­Stadt ist unter Druck. Mitgliederrückgang und sinkende Steuereinnahmen machen ihr zu schaffen. Die Kirche hat deshalb einen Strategieprozess angestos­sen, der Antworten auf die angespannte Lage geben soll. Ein entsprechendes Papier des Kirchenrates ist am 19. Juni von der Synode gutgeheissen worden.

Unter den darin enthaltenen Vorschlägen sticht ein geplantes Gesetz über die Mitgliedschaft von «ausserkantonal wohnhaften reformierten Christen» heraus. Demnach müssen Reformierte, die ihren Wohnort nach Baselland verlegen, künftig nicht mehr zwingend aus der basel­städtischen Kirche ausscheiden. Vielmehr sollen sie eine Doppelmitgliedschaft in beiden Basler Kirchen erhalten können. Die Idee ist ungewöhnlich, denn in den Schweizer Landeskirchen gilt das Territorialprinzip. Wer in einen anderen Kanton zieht, zahlt in seiner neuen Wohngemeinde Kirchensteuern und wird Mitglied der entsprechenden Kantonalkirche.

Kirchliches Engagement fördern

Für den Basler Kirchenratspräsidenten Lukas Kundert ist die geplante Neuerung vor allem ein Dienst an den kirchlich engagierten Mitgliedern. «Wir haben Mitglieder, die nach ihrem Wegzug weiterhin in ihrer angestammten Kirchgemeinde aktiv bleiben möchten. Das können sie nur in vollem Umfang, wenn sie alle Rechte einer Mitgliedschaft haben, also zum Beispiel an Wahlen teilnehmen können.»

Doppelt Kirchensteuern zahlen müssten diese Mitglieder aber nicht, sagt Kundert. Wer nach Baselland ziehe, zahle dort auch die Kirchensteuern. «Unsere Leistungen für diese Mitglieder könnten dann zum Beispiel durch einen symbolischen Betrag der Baselbieter Kirche abgegolten werden», sagt er. Wie das Modell konkret aussehen soll, ist noch unklar. Es bräuchte dafür eine Teilrevision der Kirchenverfassung, die dem obligatorischen Referendum untersteht. Die Baselbieter Kirche zeigte auf eine Anfrage hin zumindest Interesse an dem Modell.

Ein Zukunftsmodell?

Auch Sabrina Müller vom Zentrum für Kirchenentwicklung findet die Idee interessant. Aufgrund der Kleinräumigkeit von Basel könne eine solche Lösung sinnvoll sein. «Mir ist bekannt, dass die baselstädtischen Kirchgemeinden viele engagierte Mitglieder haben, die oft von auswärts kommen. Das geplante Gesetz würde dieses Engagement erleichtern», sagt sie. Zudem sei die freie Wahl der Kirchgemeinde ein wachsendes Bedürfnis. «Die Leute erwarten, dass ihnen die Kirche da entgegenkommt», sagt Müller.

Ob das Basler Modell für andere Landeskirchen zum Vorbild werden kann, sei allerdings fraglich. «Es setzt eine enge Zusammenarbeit zwischen den Landeskirchen voraus. Und die ist nicht überall gegeben.»

Dieser Beitrag erschien erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.