Antisemitismus nimmt zu
Insgesamt hat die Meldestelle des Schweizerisch Israelitischen Gemeindebunds SIG 2022 knapp 60 antisemitische Vorfälle in der realen Welt und über 850 im Internet erfasst. Das entspreche im Vergleich zum Vorjahr einer leichten Zunahme, wie der SIG in seinem neusten Antisemitismusbericht schreibt.
Auch in Deutschland haben antisemitische Vorfälle zugenommen. Die Zahl der judenfeindlichen Gewalttaten stieg im vergangenen Jahr von 63 auf 88, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervorgeht.
Insgesamt zählte das Bundeskriminalamt demnach knapp 2’640
antisemitische Straftaten für das Jahr 2022, allerdings wurden die üblichen Nachmeldungen noch nicht berücksichtigt. Zuerst hatte die «Welt» über die Zahlen berichtet. (epd)
Hauptgrund dafür ist laut dem SIG die zunehmende Verbreitung von Verschwörungstheorien unter den Gegner von Corona-Massnahmen. Anhänger von Verschwörungstheorien vermuteten, dass eine geheime Macht die Menschheit beherrscht. Häufig setzten sie diese dabei mit Jüdinnen und Juden gleich, schreibt der SIG. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine habe dieser Entwicklung zusätzlichen Schub verliehen.
Zum ersten Mal seit 2018 wurde dem SIG zudem eine Tätlichkeit gegen eine jüdische Person gemeldet. Dazu kommen vorwiegend Beschimpfungen und Schmierereien. Online würden antisemitische Theorien vor allem über den Messengerdienst Telegram verbreitet. Wie der SIG festhält, dürfte die Dunkelziffer antisemitischer Vorfälle hoch sein, weil seine Statistik nur auf freiwilligen Meldungen basiert. (pef)