Immobilien

Wie verkauft man eine Kirche, die keine mehr ist?

Eine Thurgauer Kirchgemeinde hat nach einem Käufer für eine zentrale Immobilie gesucht. Es gab viele Interessenten. Dass die Heilsarmee den Zuschlag erhalten hat, hat einen besonderen Grund.
So könnte das Amriswiler Kirchgemeindehaus aussehen, nachdem es im Auftrag der Heilsarmee umgebaut worden ist. (Visualisierung: zVg/ Heilsarmee)

Das Kirchgemeindehaus von Evangelisch Amriswil-Sommeri ist eigentlich eine Kirche. Für 1,75 Millionen Franken hat die Kirchgemeinde das Gebäude nun an die Heilsarmee verkauft. Diese übernimmt die Liegenschaft ab Oktober 2025 und ersetzt den Anbau durch einen Neubau. Die Amriswiler Kirchgemeinde investiert die Einnahmen in den Bau eines Kirchenzentrums, der Spatenstich ist im Februar erfolgt. Das neue Zentrum soll bis in zwei Jahren entstehen.

Kirchgemeindepräsidentin Claudia Schindler sagte der Thurgauer Zeitung: «So fühlt sich der Verkauf nicht wie ein Verlust an, das Gebäude bleibt uns erhalten.» Der Erhalt der alten Kirche hatte höchste Priorität.

Wurzeln reichen ins Mittelalter zurück

Um die ganze Geschichte zu verstehen, muss man in der Zeit zurückblicken. Die alte evangelische Kirche in Amriswil steht auf den Grundmauern einer Kapelle aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurde von den Reformierten bis ins 19. Jahrhundert genutzt.

Dann kam der Fortschritt in das damalige Bauerndorf in der Nähe des Bodensees: Auf eine Käserei folgten erste Textilbetriebe und die Eisenbahn. Innert 60 Jahren entwickelte sich der Ort zu einem der Zentren der Schweizer Textilindustrie. Die Bevölkerung wuchs und die Kirche wurde zu klein.

Als die Reformierten 1892 ihre neue Kirche einweihten, verkauften sie die alte erst einmal an die politische Gemeinde. Diese baute die Kirche um zu einer «Konzerthalle»: Die Kirchenbänke wurden ausgebaut und eine Bühne errichtet.

Es fanden Gemeindeversammlungen und Feste darin statt. Die Kirchgemeinde kaufte die zweckentfremdete Kirche in den 1930er-Jahren zurück und machte sie zu einem ungewöhnlichen Kirchgemeindehaus – denn den Kirchturm hatte sie immer noch.

Portfolio bereinigen

Doch in den letzten Jahren beugte sich die Kirchgemeinde über ihr Immobilien-Portfolio. Sie wollte mehrere Gebäude verkaufen, die sie nicht mehr benötigte, und mit dem Erlös einen Teil des neu geplanten Kirchenzentrums finanzieren. Ein Pfarrhaus wurde bereits verkauft, das angesprochene Kirchgemeindehaus ebenso. Im Februar wurde schliesslich beschlossen, noch ein weiteres Pfarrhaus auf den Markt zu bringen.

Vor zwei Jahren sagte Kirchgemeindepräsidentin Claudia Schindler in der «Thurgauer Zeitung», das Interesse am Kirchgemeindehaus sei gross: Andere Kirchgemeinden sowie private Käufer und die Stadt Amriswil hätten gute Konzepte eingereicht, wie sich das Gebäude neu nutzen liesse.

Schliesslich habe man sich entschieden, das Kirchgemeindehaus an die Heilsarmee zu verkaufen. Als ein wichtiges Kriterium für den Entschluss nannte Schindler damals: «Das Gebäude bleibt eine Kirche.» Entsprechend glücklich sind die Verantwortlichen über die «ideale Nachfolgelösung».

Heilsarmee benötigt mehr Platz

Laut der Heilsarmee bleibt die alte Kirche für kultische Anlässe oder Konzerte nutzbar, der Saal kann gemietet werden. Gerade ist der Projektwettbewerb für den Umbau beendet. Gewonnen hat ein Entwurf, der vorsieht, an das denkmalgeschützte historische Gebäude einen niedrigen Zwischenbau mit grossen Fenstern anzuschliessen, der zu einem Neubau führt.

Erhard Josi, Leiter des Heilsarmee-Korps Amriswil, nennt das geplante Ensemble einen Ort der Begegnung. Die Heilsarmee suchte im Ort schon länger nach einer grösseren Liegenschaft für ihre Aktivitäten wie Gottesdienste, Sonntagsschule und Seelsorge. Sie braucht dafür mehr Platz.

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