Migration

200 Menschen aus Seenot gerettet

Die Besatzung des Rettungsschiffs «Geo Barents» hat bei mehreren Einsätzen knapp 200 Menschen an Bord genommen. Die italienischen Behörden erschweren jedoch die Arbeit der Helfer.

Alleine in der vergangenen Nacht hat das Schiff «Geo Barents» knapp 200 Menschen aus vier seeuntauglichen Booten gerettet. Ein Viertel der Flüchtlinge sei minderjährig, erklärte die Organisation «Ärzte ohne Grenzen», die das Schiff betreibt.

«Es war eine lange Nacht für das Team der 'Geo Barents' und die Überlebenden.» Die italienischen Behörden wiesen dem
Schiff den norditalienischen Hafen von Marina di Carrara zu. Nach Angaben von «Ärzte ohne Grenzen» liegt er mehr als 1000 Kilometer vom Einsatzort entfernt.

Beim ersten Einsatz habe die Crew rund 50 Menschen aus einem seeuntauglichen Holzboot in der maltesischen Rettungszone an Bord gebracht. Bei der Suche nach dem Boot hätten die ehrenamtlichen Piloten der französischen Initiative «Pilotes Volontaires» geholfen, erklärte «Ärzte ohne Grenzen». Danach rettete die Besatzung knapp 60 Menschen aus einem weiteren Holzboot in Seenot. Ausserdem holte es die Menschen aus zwei Metallbooten an Bord, die von Tunesien aus gestartet waren.

«Diese Vorfälle zeigen erneut, dass eine proaktive und engagierte staatliche Seenotrettung im Mittelmeer gebraucht wird», erklärte die Hilfsorganisation. Sie zeigten auch die Notwendigkeit andauernder Präsenz von Rettungsschiffen.

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Eine staatlich getragene Seenotrettung gibt es nicht. Lediglich private Seenotretter halten Ausschau nach in Not geratenen Schutzsuchenden. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind alleine seit Beginn des Jahres fast 1900 Menschen beim Versuch der Überfahrt gestorben oder werden vermisst. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein.

In den vergangenen Wochen waren zahlreiche private Rettungsschiffe im Einsatz und retteten Hunderte Menschen. Immer wieder wiesen die italienischen Behörden ihnen weit entfernte Häfen zu, um die Geretteten an Land zu bringen. (epd/ pef)