Grossbritannien
Zwei Todesopfer bei Angriff vor Synagoge in Manchester
An Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, sind nach einem Angriff vor einer Synagoge in Manchester zwei Todesopfer zu beklagen. Das teilte die Greater Manchester Police mit. Auch der mutmassliche Angreifer sei vermutlich tot. Er wurde von Schüssen der Polizei getroffen. Eine Bestätigung stehe aber aus, hiess es in der Mitteilung weiter. Ein Bombenentschärfungsteam sei vor Ort.
Wie die Polizei zuvor mitgeteilt hatte, wurde ein Auto in eine Gruppe von Menschen gelenkt. Ein Mann wurde zudem durch ein Messer verletzt. Insgesamt war zunächst von vier Verletzten die Rede. Auf Bildern vom Ort des Geschehens waren zahlreiche Rettungswagen und schwer bewaffnete Polizisten zu sehen. Die Polizei leitete die sogenannte Operation Plato ein: die Reaktion auf einen Terrorangriff. Zum mutmasslichen Hintergrund der Tat gab es zunächst keine konkreten Angaben.
Der britische Premierminister Keir Starmer zeigte sich entsetzt. «Die Tatsache, dass sich dies an Jom Kippur ereignete, dem heiligsten Tag im jüdischen Kalender, macht es umso furchtbarer», sagte der Labour-Politiker einer Mitteilung zufolge.
Er kehrte vorzeitig vom Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPC) in Kopenhagen zurück, um eine Sitzung des nationalen Krisenstabs Cobra zu leiten. Starmer sagte für Synagogen im ganzen Land zusätzlichen Polizeischutz zu. «Wir werden alles tun, um unsere jüdische Gemeinschaft zu schützen», erklärte er noch am Flughafen in Kopenhagen.
Der Leiter des British Muslim Trust, Akeela Ahmed, sagte laut der Zeitung «The Guardian»: «Der Anschlag in Manchester heute Morgen ist schockierend und absolut abscheulich, und solche Taten an Jom Kippur zu begehen, ist widerwärtig.»
Mike Peak, Leiter der Polizei im Grossraum Manchester, würdigte den Einsatz der Polizeibeamten: «Die Tapferkeit unserer Kollegen, die an diesem Vorfall beteiligt waren – indem sie extremer Gefahr entgegenrannten und mit einer extremen Bedrohung konfrontiert waren – ist lobenswert.»
In den sozialen Medien kursierten bald Bilder des mutmasslichen Täters: Ein Mann mit Glatze und Bart, schwarz gekleidet und mit weissen Objekten, die er sich um die Hüfte geschnallt hatte.
An Jom Kippur kommt in Israel das öffentliche Leben nahezu vollständig zum Stillstand: Geschäfte, Restaurants und Behörden bleiben geschlossen, der Flug- und Strassenverkehr ruht weitgehend. Gläubige verbringen den Tag mit Fasten, Gebeten und der Bitte um Vergebung. Auch säkulare Israelis schätzen die Ruhe, viele nutzen die leeren Strassen zum Radfahren und Spazierengehen. Auch in Grossbritannien sind Synagogen an diesem Tag gut besucht. (sda/ dst)