Zürcher Landeskirche

Knappes Ja zu strengeren Klimazielen

Die Stimmberechtigten der reformierten Zürcher Landeskirche haben den Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative angenommen. Damit können strengere Klimaziele in der Kirchenordnung verankert werden.
Die Uhr am St. Peter zeigt anlässlich eines Klimaprotests 5 vor 12 an. Jetzt macht die Zürcher Landeskirche beim Klimaschutz Nägel mit Köpfen. (Bild: Ennio Leanza / Keystone)
Das Wichtigste in Kürze

Was hat die Zürcher Landeskirche beim Klimaschutz beschlossen?
Die Stimmberechtigten haben den Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative mit 52,7 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Damit können strengere Klimaziele verbindlich in der Kirchenordnung der Reformierten Landeskirche Zürich verankert werden.

Welche konkreten Klimaziele sind vorgesehen?
Kirchliche Gebäude sollen bis 2035 «Netto Null» bei den Treibhausgasemissionen erreichen, zudem wird eine Grundlage für Umweltmanagement in den Kirchgemeinden geschaffen. Dazu gehört unter anderem die Zertifizierung mit dem Umweltlabel «Grüner Güggel»; ökologische Fragen sollen zudem stärker in Theologie, Bildung und Spiritualität einfliessen.

Warum war der Gegenvorschlag umstritten?
Befürworter sehen darin einen wichtigen Beitrag der Kirche zum Klimaschutz und zur Bewahrung der Schöpfung. Das Nein-Komitee befürchtet dagegen mehr Vorgaben für die Kirchgemeinden und eine mögliche Priorisierung von Klimaschutz gegenüber kirchlichen Kernaufgaben wie Verkündigung und Diakonie.

Am Ende war es ein knappes Rennen: 52,7 Prozent der Stimmberechtigten haben sich für den Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative und damit für mehr Klimaschutz ausgesprochen. Während das Resultat kantonsweit knapp ausfiel, fand der Gegenvorschlag im Bezirk Zürich mit über 70 Prozent Ja-Stimmen eine deutliche Mehrheit.

Mit dem Ja kann sich die Zürcher Landeskirche strengere Klimaziele setzen. Insbesondere sollen die Treibhausgasemissionen von kirchlichen Gebäuden bis 2035 «Netto Null» erreichen. Zudem wird eine Rechtsgrundlage für ein Umweltmanagementsystem in den Kirchgemeinden geschaffen. Vorgesehen ist dabei unter anderem die Zertifizierung mit dem Umweltlabel «Grüner Güggel». Darüber hinaus sollen ökologische Fragen stärker in Theologie, Bildung und Spiritualität einfliessen.

Der Kirchenrat der Reformierten Landeskirche begrüsste in einer Mitteilung das Ja zum Gegenvorschlag. Mit dem Entscheid werde die Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung verbindlich in der Kirchenordnung verankert. Damit werde eine Grundlage für die weitere kirchliche Umwelt- und Klimaarbeit geschaffen, die über die staatlichen Vorgaben hinausgehe.

Zeichen der Hoffnung oder Zwang?

Tobias Adam vom Initiativkomitee betont auf Anfrage von ref.ch, dass das Abstimmungsergebnis ein wichtiges Zeichen setze. Die ungewöhnlich hohe Stimmbeteiligung zeige, dass Klimaschutz ein Thema sei. «Angesichts der eskalierenden Klimakrise auf der Welt macht das heutige Votum Hoffnung», sagt er.

Einen Stadt-Land-Graben sieht Adam nicht, vielmehr sei das Ergebnis auf dem Land ausgeglichen gewesen. Ebenso wenig entstehe durch die Annahme ein Zwang für die Kirchgemeinden. «Der Gegenvorschlag setzt sich dafür ein, dass die Kirchgemeinden ihre Autonomie behalten und individuelle Massnahmen treffen können», sagt er.

Beim Nein-Komitee sieht man das anders. Dort zeigt man sich enttäuscht über das Abstimmungsergebnis. «In Zukunft können Kirchgemeinden gezwungen werden, den Klimaschutz in ihren Aktivitäten über Verkündigung, Diakonie und andere kirchliche Kernaufgaben zu priorisieren. Das Nein-Komitee bezweifelt, dass sich die Kirchgemeinden derart bevormunden lassen werden», heisst es in einer Mitteilung.

Erste erfolgreiche Volksinitiative

Die Schöpfungsinitiative entstand im Rahmen einer kirchlichen Themenwoche zur Klimagerechtigkeit im Jahr 2022. Ein Jahr später reichten kirchliche Klimaschützerinnen und Klimaschützer die Initiative ein. Mit rund 1600 Unterschriften war sie die erste erfolgreich lancierte Volksinitiative in der Geschichte der Zürcher Landeskirche.

Der Kirchenrat legte daraufhin einen Gegenvorschlag vor, der wesentliche Forderungen der Initiative übernahm. In der Synode wurde kontrovers darüber diskutiert. Befürworter sahen die Kirche beim Klimaschutz in der Verantwortung. Andere warnten vor einer stärkeren Zentralisierung und davor, die Kirchgemeinden zu stark zu belasten. Von den Gegnern waren auch Begriffe wie «Umweltreligion» und «Güggel-Zwang» zu hören.

Schliesslich setzte sich der Gegenvorschlag mit 54 zu 45 Stimmen durch. Die Initianten zogen ihre Initiative zurück. Gegen den Gegenvorschlag wurde anschliessend das Referendum ergriffen.

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