Bericht

Zu wenig Bildung für Junge im Asylprozess

Die Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht kritisiert die Bildungssituation für junge Geflüchtete und Migrantinnen in der Schweiz. Der Zugang zu Bildung und teilweise auch deren Qualität seien mangelhaft. Die Stelle fordert deshalb Verbesserungen.

In einem Bericht hält die Schweizerische Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht (SBAA) fest, dass Jugendliche und junge Erwachsene im Asylprozess keinen gleichberechtigten Zugang zu Bildung hätten. Vor allem für Asylsuchende, vorläufig Aufgenommene und Personen ohne Bleiberecht sei der Zugang rechtlich und praktisch eingeschränkt.

Es habe zwar in den vergangenen Jahren Verbesserungen gegeben, so gibt es nun Grundschulunterricht in Bundesasylzentren und frühzeitige Sprachförderung für Personen, die eine Aussicht auf eine Bleiberecht haben. Dennoch hapere es weiterhin. So würden fremdsprachige Kinder in der Grundschule oft zu lange in Aufnahmeklassen unterrichtet. Für Bildung und Integration wäre aber laut SBAA ein möglichst rascher Wechsel in die öffentliche Schule hilfreich.

Mangelnde Perspektiven

Ausserdem gewähren viele Kantone eine Grundschulbildung nur bis 15 Jahre. Danach erhalten viele Minderjährige über 16 Jahre eine «integrationsorientierte» Bildung. Die Beobachtungsstelle kritisiert dabei, dass die Vorbildung und die Kompetenzen der Betroffenen «kaum ermittelt und zu wenig anerkannt» würden und manche zu wenig Bildung erhielten.

Als weiteres Problem identifiziert die Beobachtungsstelle mangelnde Perspektiven für Jugendliche und junge Erwachsene nach dem Abschluss einer schulischen Ausbildung. Ausländische Abschlüsse würden nicht anerkannt und die Unterstützung sei ungenügend. So sei für viele Jugendliche das Lernen aufgrund ihrer Wohnsituation erschwert und sie erhielten keine Hilfe von nahen Bezugspersonen.

Schulpflicht bis 18

Die SBAA fordert deshalb, «dass alle Jugendlichen und junge Erwachsenen unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus die Chance haben sollen, sich nach ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten zu bilden». Die Stelle empfiehlt, die Schulpflicht auf 18 Jahre  zu erhöhen und einen einheitlichen Lehrplan für Aufnahmeklassen zu erarbeiten. Zudem sollen Vorbildung und Kompetenzen von jungen Asylsuchenden besser abgeklärt werden und in einen «individuellen Bildungsplan» einfliessen. Weiter sollen Bildungszulagen und Stipendien auch für junge Migranten zugänglich sein. (mos)