Wittenberger «Judensau» darf bleiben

Die als «Judensau» bekannte Schmähplastik an der Wittenberger Stadtkirche muss nicht entfernt werden. Dies entschied das Oberlandesgericht.


Der Kläger, Mitglied einer jüdischen Gemeinde, hatte die Abnahme der Plastik aus dem 13. Jahrhundert verlangt, weil er sich durch diese als «Saujude» und das «ganze Judentum» diffamiert sieht. Nach dem Urteil des Oberlandesgerichts in Naumburg darf die Schmähplastik nun aber hängen bleiben. Das Gericht wies am 4. Februar die Berufungsklage gegen ein Urteil des Landgerichtes Dessau-Rosslau ab.

Die beklagte Kirchengemeinde ist Eigentümerin der unter Denkmalschutz stehenden und zum Unesco-Welterbe gehörenden Stadtkirche in Wittenberg. In der Vorinstanz hatte das Landgericht Dessau-Rosslau am 24. Mai 2019 die Klage abgewiesen, weil es den Tatbestand der Beleidigung nicht als erfüllt ansah. Das Relief sei Bestandteil eines historischen Gebäudes und befinde sich nicht unkommentiert an der Mauer der Stadtkirche. Über das Mahnmal am Fusse der Kirche sei das Relief in eine Gedenkkultur eingebettet.

Die Plastik zeigt eine Sau, an deren Zitzen sich Menschen laben, die Juden darstellen sollen. Ein Rabbiner blickt dem Tier unter den Schwanz und in den After. (epd/no)