«Wir wollten zeigen, dass die Landeskirche die Jugend ernst nimmt»

Mit dem Jugendfest Yay Refor-Motion-Day der reformierten Zürcher Landeskirche endete am Wochenende das Zürcher Reformationsjubiläum. Im Interview erklärt Projektleiter Jens van Harten, warum die Jugend das letzte Wort hatte.

Wie sieht die Zukunft der Kirche aus? Am Jugendfest sollte auch darauf Antworten gefunden werden. (Bild: Bruno Biermann)

Herr van Harten, am Wochenende feierten beim Zürcher Grossmünster und bei der Kirche St. Peter 2000 Besucher den Yay Refor-Motion-Day. Sind Sie mit dem Anlass zufrieden?
Sehr. Der grosse Ansturm hat mich überrascht. Wir hatten wahnsinniges Wetterglück. Besonders gefreut hat mich, dass über 300 Jugendliche als Helfer im Einsatz waren und rund 250 Kinder an einer Schnitzeljagd mitmachten.

Warum haben Sie sich als Abschluss des Reformationsjubiläums für ein Jugendfestival entschieden?
Wir wollten zum Schluss nicht mehr zurück, sondern vorwärts blicken. Es war dementsprechend logisch, dass wir dabei die Jugend unter dem Dach der Zürcher Landeskirche zu Wort kommen lassen. Nur wer sie miteinbezieht und ihr Gestaltungsraum bietet, hat als Kirche eine Zukunft.

Wie haben die Jugendlichen diese Möglichkeit genutzt?
Es fanden zahlreiche Workshops statt. So wurde zum Beispiel die Zürcher Bibel in die Jugendsprache übersetzt, Gospel gesungen und zusammen mit der Klimajugend-Bewegung über den Klimawandel diskutiert.

Diente das Fest der Nachwuchspflege der Zürcher Landeskirche?
Wir wollten zeigen, dass die reformierte Landeskirche jugendfreundlich ist und die Jugend ernst nimmt. Es sollte aber keine PR-Veranstaltung mit missionarischem Charakter werden.

Gab es seitens der Jugendverbände Berührungsängste?
Zu Beginn waren die Rückmeldungen tatsächlich etwas zaghaft. So fragten sich die Organisatoren des Klima-Schul-Streiks, ob sie durch die Teilnahme nicht von der Kirche vereinnahmt werden. Wir konnten die Bedenken aber zerstreuen, in dem wir allen, die mitmachen wollten, thematisch keine engen Rahmen gesteckt haben. Sie konnten frei wählen, wie sie sich präsentieren und was sie anbieten wollten.

Im Vorfeld der Veranstaltung mussten die Jugendverbände, die mitmachen wollten, eine Charta der christlichen Kinder- und Jugendarbeit unterzeichnen. Gab es Widerstände?
Nein, zum Glück nicht. In der Charta ist unter anderem festgehalten, dass bei der Arbeit mit Jugendlichen nicht nur der Glaube thematisiert wird, sondern auch soziale Kompetenzen und die Entwicklung der Persönlichkeit gefördert werden sollen. Das kam gut an. Alle, die mitmachen wollten, haben sie unterzeichnet.

Was war für Sie rückblickend das Highlight des Jugendfestes?
Es gab viele, ein einzelnes möchte ich nicht herausheben. Das Jugendfest hat in mir die Hoffnung gestärkt, dass die reformierte Kirche bei der Arbeit mit Jugendlichen grosses Potenzial hat, das sie noch nicht ausgeschöpft hat. Wichtig ist, dass man dabei nicht anbiedernd auf die Jugendlichen zugeht, sondern animierende und partizipative Jugendarbeit leistet.

Jens van Harten ist zuständig für den Bereich Jugend der Abteilung Kirchenentwicklung der reformierten Kirche des Kantons Zürich. Er war der Projektleiter von «Yay Refor-Motion-Day».