BESJ geht bei Jugend+Sport einen Sonderweg

Der Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen (BESJ) wird nicht Mitglied in der geplanten Dachorganisation «Ausbildung plus». Auch die Umwandlung ihrer Gruppen in Vereine will er nicht empfehlen. Hintergrund ist eine Kontroverse darüber, zu welchen Bedingungen christliche Jugendverbände am Programm Jugend+Sport des Bundes teilhaben dürfen.


Die Nachricht sorgte für Furore: Im März diesen Jahres entschied das Bundesamt für Sport (Baspo), neun christliche Jugendverbände und ihre lokalen Gruppen vom Programm Jugend+Sport (J+S) auszuschliessen. Weil sie primär missionarisch tätig seien, sollten sie ab 2018 keine J+S-Leiter mehr ausbilden und keine Lager mehr unter dem Label durchführen dürfen.

Nach heftiger Kritik aus kirchlichen Kreisen krebste das Bundesamt jedoch teilweise zurück und bot den betroffenen Organisationen einen Sonderweg an: Sollten sich ihre Gruppen in Vereine mit angepassten Statuten umwandeln, könnten diese weiterhin bei J+S dabei sein. Für die Ausbildung der Leiter war zudem die Gründung einer neuen Dachorganisation mit dem Namen «Ausbildung plus» geplant.

Bezug zur Kirche als Knackpunkt

Seit dem 20. Dezember ist nun klar: Nur ein Teil der Jugendverbände wird diesen Weg beschreiten, wie aus einer Mitteilung der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) hervorgeht. Darunter sind unter anderem youthnet, Youthplus und verschiedene Verbände aus der Westschweiz.

Der Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen (BESJ), eine der grössten betroffenen Organisationen, nimmt dagegen Abstand von der Vereinsstruktur und wird auch nicht Mitglied in der neuen Dachorganisation.

«In den Verhandlungen mit dem Baspo haben wir immer signalisiert, dass wir zu Kompromissen bereit sind», sagt Adrian Jaggi, Mediensprecher des BESJ. In der Frage des Gemeindebezugs der Jungschargruppen habe aber bis zuletzt keine Einigung erzielt werden können. «Das Baspo bestand darauf, dass die Jungscharen eigenständige, von den Ortskirchen unabhängige, Vereine gründen müssen. Aus unserer Sicht sind die Gruppen aber immer Teil einer Gemeinde und teilen so auch deren Ziele», so Jaggi. Es sei klar gewesen, dass man den Gruppen diese Lösung nicht habe empfehlen können.

Gruppen entscheiden selbst

Die einzelnen lokalen Gruppen entscheiden zwar selbst über ihre künftige Struktur. Theoretisch wäre es also möglich, dass sich auch BESJ-Mitglieder in Vereine gemäss den Richtlinien des Baspo umwandeln. Damit ihnen dann nicht über kurz oder lang die J+S-Leiter ausgehen, müssten sie allerdings auch Mitglied werden bei «Ausbildung plus». Der Anschluss an den BESJ reicht neu nicht mehr aus, um J+S-Leiter auszubilden.

Gemäss Adrian Jaggi ist noch nicht abschätzbar, wie sich die einzelnen Gruppen entscheiden und was die Konsequenzen für den BESJ wären. Klar sei, dass man auch mit den anderen Jugendverbänden im Kontakt bleiben und sich über die verschiedenen Lösungsansätze austauschen wolle.

Organisation muss sich zu Ethik-Charta bekennen

Die Dachorganisation «Ausbildung plus» soll Ende Januar offiziell gegründet werden. Vorbehalten ist der Abschluss einer Partnerschaftsvereinbarung mit dem Baspo.

Laut Christoph Lauener, Mediensprecher des Bundesamts, sind die Bedingungen für eine J+S-Partnerschaft «die nationale Ausprägung des Ausbildungsdachverbandes und dass sich die Mitglieder zu den Zielen von J+S sowie zur Charta des Schweizer Sports bekennen». Letztere beinhaltet etwa die Gleichbehandlung für alle sowie die Erziehung zu Fairness und Umweltbewusstsein. (vbu)