Charta soll Mission am Zürcher Jugendfestival verhindern

Das national organisierte evangelische Jugendfestival «Reformaction» war 2017 wegen evangelikaler Tendenzen in die Kritik geraten. Die Zürcher Landeskirche will es nun besser machen: Wer am «YAY Refor-Motion-Day» vom 2. November mithelfen will, muss zuerst eine Charta unterzeichnen.

Zwischen der Kirche St. Peter und dem Grossmünster (im Bild) wird am 2. November das Jugendfestival «YAY» stattfinden. (Bild: zVg)

Am 2. November feiert die Zürcher Landeskirche den Abschluss des Reformationsjubiläums mit einem grossen Jugendfestival. Rund um das Grossmünster und die Kirche St. Peter sollen an diesem «YAY Refor-Motion-Day» Konzerte und Vorführungen stattfinden, Workshops durchgeführt und Streetfood angeboten werden.

Dabei setzen die Organisatoren auf die Mithilfe von Freiwilligen. «Wir wollten nicht einfach Profis engagieren, die die Jugendlichen bespassen, während sie selber lediglich konsumieren», sagt Projektleiter Jens van Harten. Vielmehr hätten sie christliche Jugendorganisationen aus dem ganzen Kanton angefragt, ob sie das Festival aktiv mitgestalten wollten.

Diese Teilhabe allerdings ist an eine Bedingung geknüpft: Jugendorganisationen, die am «YAY» ein Angebot planen, müssen die 2016 ins Leben gerufene Charta christlicher Kinder- und Jugendarbeit unterzeichnen. Darin ist unter anderem festgehalten, dass bei der Arbeit mit Jugendlichen nicht nur der Glaube thematisiert wird, sondern auch soziale Kompetenzen und die Entwicklung der Persönlichkeit gefördert werden sollen. Diskriminierung wird klar abgelehnt, ebenso Manipulation und Machtmissbrauch.

Verschiedene Gruppen des Bundes Evangelischer Schweizer Jungscharen (BESJ), die Heilsarmee oder die Schweizerische Evangelische Allianz haben die Charta unterzeichnet. Die Freikirche ICF beispielsweise bisher nicht.

Scheidung gleich Sünde,
Homosexuelle als Bedrohung

«Es geht bei diesem Festival nicht um Mission», begründet Jens van Harten die Verknüpfung mit der Charta. Man habe auch den Eltern gegenüber ein klares Signal setzen wollen, dass die Kinder und Jugendlichen bedenkenlos daran teilnehmen könnten.

Dass die Organisatoren zu einer solchen Massnahme greifen, kommt nicht von ungefähr. So war das ganz ähnlich gestaltete, aber national ausgerichtete evangelische Jugendfestival «Reformaction», das Anfang November 2017 in Genf stattfand, wegen evangelikaler Tendenzen in die Kritik geraten.

In einer Predigt sei beispielsweise Scheidung als Sünde hingestellt worden, war damals auf Twitter zu lesen. Das welsche Portal protestinfo.ch berichtete gar von einem Workshop-Leiter, der Homosexuelle als «eine Bedrohung für unsere Gesellschaft» bezeichnet haben soll.

«Ein klar landeskirchliches Profil»

So etwas soll in Zürich nun nicht passieren. «‹YAY› hat ein klar landeskirchliches Profil», sagt van Harten. Zwar gebe es auch in der Landeskirche Strömungen von unterschiedlicher Frömmigkeit. Hinter die in der Charta festgeschriebenen Werte müssten sich aber alle mithelfenden Jugendgruppen stellen können, sagt der Projektleiter. «Wenn nicht, können sie ja immer noch als Besucher am Festival teilnehmen.»

Dieser Beitrag erschien erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.