Brauchtum

Wie der Hase zum Osterfest kam

Einst machte der Fuchs ihm Konkurrenz, doch schliesslich setzte sich der Hase durch. Tiere haben im Osterbrauchtum eine wichtige Bedeutung – auch wenn manche in der Bibel gar nicht vorkommen.

Hase und Ei sind zwei klassische Ostermotive. Doch woher stammt eigentlich die Symbolik? (Bild: Keystone / Mauritius Images / Sebastian Scheuerecker)

Ostern geht es meist auch tierisch zu. Der Hase bringt Hühner-Eier und mancherorts wird Kuchen in Lammform gebacken. Einige der Bräuche haben ihre Wurzeln in den biblischen Geschichten, andere entwickelten sich später, und nicht immer sei ihre Entstehung eindeutig, sagt der Theologe und Brauchtumsexperte Manfred Becker-Huberti. Die Tiere eint, dass sie auch im Alltag der Menschen eine grosse Rolle spielten. Zum Teil tun sie das bis heute.

Schon im Judentum hat das Lamm eine kultische Bedeutung. So werde es bis heute zum Pessachfest gegessen, das an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnert, erläutert Manfred Becker-Huberti. Im Johannes-Evangelium der Bibel wird das Lamm erstmals mit Jesus gleichgesetzt. «Er wird als Lamm Gottes bezeichnet, der sich selbst um der Menschen Willen geopfert hat», erläutert der katholische Honorarprofessor der Hochschule Vallendar.

Anders als beim Pessach-Fest sei das Lamm aber kein traditionelles Osteressen. «In früheren Zeiten war das Lamm dafür zu kostbar. Man wollte die Wolle haben.» So kommt bis heute eher Gebäck in Lammform auf den Tisch, oft mit Puderzucker weiss bestäubt als Zeichen der Reinheit. Nach wie vor ist das Schaf laut der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände eines der am weitesten verbreiteten Haustiere – es kommt in fast allen Ländern der Erde vor.

Der Esel spielt schon im frühen Leben Jesu eine Rolle, wie Becker-Huberti erläutert: bei der Flucht von Maria, Josef und dem Kind nach Ägypten. Zum Beginn der Karwoche vor Ostern, am Palmsonntag, ritt Jesus zudem auf einem Esel nach Jerusalem ein, wo er jubelnd empfangen wurde. «Heute wird das oft als ein Zeichen der Demut gedeutet», sagt Becker-Huberti. In der Vergangenheit sei das anders gewesen. «Der Esel war ein Tier, auf dem durchaus Hochgestellte ritten, wenn auch keine Herrscher.»

Das Bild vom sturen Esel korrigiert Lisa Peter von der deutschen Interessengemeinschaft für Esel- und Mulifreunde. Esel seien vielmehr vorsichtig. Anders als Pferde stammen sie ursprünglich aus Stein- und Geröllwüsten. Sie laufen Peter zufolge deshalb nicht einfach los, sondern fliehen nur über kurze Distanzen oder bleiben stehen, um die Gefahr einzuschätzen. «Immer mehr Menschen lernen die Besonderheiten der Esel schätzen und lieben», sagt sie. «Insbesondere das Wandern mit Eseln stösst auf grosse Resonanz.»

Seit mehr als 1000 Jahren sei das Ei mit Ostern verbunden, erläutert Brauchtumsexperte Becker-Huberti. Katholische Priester überreichten rot gefärbte Eier an Besucher der Osternacht. Die rote Farbe und die harte Schale symbolisierten das Leben im Grab Christi. «Damit stand das Ei für die Überwindung des Todes.» In der Fastenzeit durften keine Eier gegessen werden, erst nach Gründonnerstag war der Genuss wieder erlaubt. Seit dem 12. Jahrhundert brachten Katholiken Eier mit in die Kirche, um sie segnen zu lassen und dann auf nüchternen Magen zu verzehren. Sie galten – gefärbt und gesegnet – als segenspendend.

In Deutschland wurden im Jahr 2020 nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) durchschnittlich 239 Eier pro Kopf verzehrt. In der Schweiz waren es laut dem Bundesamt für Landwirtschaft etwas weniger, nämlich 189 Eier pro Kopf. Allerdings gilt 2020 diesbezüglich schon fast als Rekordjahr – seit 1999 wurden hierzulande nicht mehr so viele Eier verspeist.

«Der Hase ist der späte Quereinsteiger zu Ostern», sagt Becker-Huberti. Im 17. Jahrhundert tauchte er als Eierbringer auf. Dies wohl deshalb, weil die Protestanten den katholischen Brauch rund ums Ei zwar ablehnten, dies allerdings einen dann säkularen Brauch um Ostereier bei evangelischen Christen nicht verhinderte. So wurden die Eier versteckt. «Schon ab dem 16. Jahrhundert findet man etliche Tiere, die als Täter hingestellt wurden», sagt der Brauchtumsexperte. Neben dem Hasen war das auch das Huhn oder der Fuchs – doch Meister Lampe setzte sich durch und wurde später auch in katholischen Gegenden akzeptiert. Auch die Erfindung der Schokolade, die in Hasen-Form gegossen wurde, trug dazu bei.

In der Schweiz ist der Bestand von Feldhasen seit den Fünfzigerjahren stark zurückgegangen. Heute gilt das Tier als gefährdete Art. Ein Grund dafür ist die intensive Landwirtschaft. Entsprechend können Feldhasen gefördert werden, indem die Biodiversität gesteigert wird und in den Äckern beispielsweise Brachen belassen werden. (epd/vbu)