USA

EVP-Nationalrat Marc Jost warnt vor christlichem Nationalismus

In der SRF-Sendung «Perspektiven» äusserte sich Marc Jost kritisch zu den Entwicklungen in den USA und weshalb er im Februar eine Trump-Rede vorzeitig verliess.

Marc Jost litt, dann wurde es ihm zu viel: Der EVP-Nationalrat verliess die Rede von US-Präsident Donald Trump vorzeitig. Anfang Februar war er am traditionellen Gebetsfrühstück in Washington zu Gast, zusammen mit SVP-Nationalrat Martin Haab und rund 20 weiteren europäischen Politikern.

Grundsätzlich hält Jost den Anlass für eine gute Idee. Glaube und Gebet könne Vertreter verschiedener politischer Lager verbinden und so den Zusammenhalt im Land fördern. Trump habe das Gebet aber instrumentalisiert. «Er nutzte es, um zu spalten», sagte er in der SRF-Sendung «Perspektiven». Dort sprach er über das Aufkommen des christlichen Nationalismus in den USA, über den er sich alarmiert zeigt.

Politiker werden zu Gott

Dabei finde eine Verschiebung statt: Die höchste Loyalität solle nicht mehr Gott gehören, sondern der Nation. Politiker träten an die Stelle Gottes, die allwissend behaupteten, was das Beste und «das Christliche» sei. «Das ist der Götzendienst des religiösen Nationalismus.»

Diese Dominanz stehe in starkem Kontrast zum demütigen Dienen in einer Demokratie, wie es im «Salz der Erde» in der Bibel beschrieben sei.

Jost sieht den Erfolg des christlichen Nationalismus in einer menschlichen Versuchung: «Macht hat das Potential zu korrumpieren.» Zudem geniesse der Glaube in den USA einen deutlich höheren Stellenwert und könne dadurch stärker instrumentalisiert werden.

«Kompromisse schützen vor Extremismus»

Im gesellschaftlichen Zusammenleben sei man aber gezwungen, Kompromisse zu suchen. «Für die schwierigen Probleme dieser Welt gibt es keine einfachen Antworten.» Jost erläutert das anhand des Beispiels Nigeria. Die US-Regierung hatte an Weihnachten 2025 islamistische Milizen im westafrikanischen Land angegriffen (ref.ch berichtete).

Jost war kürzlich vor Ort und sagt: «Es gibt keine einfache Lösung für diese Konflikte.» Christliche Gemeinschaften hätten ihm berichtet, dass sich die Situation seit den US-Angriffen sogar verschlechtert habe. «Sie waren nicht sehr wirkungsvoll und haben die Gewalt verstärkt.»

Deshalb seien Kompromisse umso wichtiger. «Das schützt uns vor Extremismus.» Wachsamkeit sei auch in der Schweiz wichtig, damit der politische Gegner nicht plötzlich zum Bösen oder zum Feind Gottes erklärt werde. (gab)

Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag von SRF Perspektiven kann hier in voller Länge angehört werden.

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