Umstrittenes Thema ausgeklammert
Sommerzeit ist Synodenzeit: In Schaffhausen hat die reformierte Landeskirche am 24. Juni in der Zwinglikirche getagt. Die Synodalen haben dabei entschieden, dass Franziska Bevilacqua neue Kirchenrätin wird. Sie ist mit 55 Ja-Stimmen (bei zwei Enthaltungen) gewählt worden, wie aus einer Mitteilung vom 25. Juni hervorgeht. Bevilacqua präsidiert die Kirchgemeinde Neunkirch und sei erfahren in der kirchlichen Frauen- und Freiwilligenarbeit. Sie folgt auf Kirchenrätin Sabine Dubach, die das Amt 24 Jahre ausgeübt hatte.
Grünes Licht gab es für die Rechnung, die mit einem Plus von 300'000 Franken schloss. Ein Drittel davon, also 100'000 Franken, fliessen in den sogenannten Zukunftsfond. Damit werden Projekte finanziert, die den Fortbestand der Kirche sichern sollen, wie Kommunikationsbeauftragte Doris Brodbeck auf Nachfrage sagte.
Konkret wollen die Schaffhauser bei den jungen Kirchgängern ansetzen: Jugendliche sollen als Influencer in Sozialen Netzwerken wie Instagram Bilder veröffentlichen, um zu zeigen, wie sie die Kirche erleben. An der Synode ist laut Brodbeck auch über das Thema Kirchenaustritte gesprochen worden. Man habe festgestellt, dass die meisten Menschen, die den Reformierten den Rücken kehren, zwischen 20 und 29 Jahre alt seien. Diese Gruppe will man nun gezielter ansprechen.
Vorstösse zurückgezogen
Ausgetretene Reformierte hätten an der Versammlung eigentlich noch mehr zu reden geben müssen. Martin Baumgartner, Pfarrer an der Steigkirche in Schaffhausen, hatte im Vorfeld der Synode zwei Vorstösse eingereicht. In einer Interpellation vom 22. Dezember 2020 wollte er wissen, wie viele Personen im vergangenen Jahr aus der reformierten Schaffhauser Landeskirche ausgetreten waren und wie viele Personen den Austritt mit politischen Haltungen der Kirche oder von Hilfswerken begründet hätten. Zudem wollte Baumgartner wissen, wie viele Steuereinnahmen der Kirche dadurch entgangen sind.
Am 25. März 2021 schliesslich reichte Baumgartner eine Motion nach. Der Vorstoss verlangte, dass bei Abstimmungen keine Transparente oder Tafeln an Kirchgemeindehäusern und in Kirchen aufgestellt werden. Zudem dürften keine Abstimmungsunterlagen aufliegen oder versandt werden. Organisiere die Kirche Podiumsdiskussionen, so sollten Vertreter beider Seiten eingeladen werden, verlangte Baumgartner im Vorstoss weiter. Mit seiner Motion wolle er den öffentlichen Raum schützen, begründete der Motionär schriftlich.
Verhandelt wurden die Vorstösse an der Synode dann allerdings nicht. Baumgartner liess auf Anfrage ausrichten, er habe sowohl die Interpellation wie auch die Motion zurückgezogen und wolle sich deshalb nicht mehr zu diesen Themen äussern. Gespräche mit Kirchgemeindemitgliedern hätten zu diesem Entscheid geführt. Beide Vorstösse wurden deshalb im Vorfeld wieder von der Traktandenliste gestrichen.
Problematik bleibt ungelöst
Die Frage, ob Kirchen in politischen Vorlagen Position beziehen sollen, hatte im vergangenen Jahr eine landesweite Debatte ausgelöst. Grund dafür war die Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative (KVI) im November. Diese verlangte, dass internationale Konzerne mit Schweizer Sitz haften, wenn sie gegen Menschenrechte verstossen oder Umweltschutzauflagen nicht einhalten. Schweizweit hatten sich über 500 Kirchgemeinden für ein Ja ausgesprochen. Die Stimmberechtigten sagten äusserst knapp Ja zur KVI (50.7 Prozent), die Vorlage scheiterte aber am Ständemehr.
Allein, beendet sein dürfte die Debatte damit noch nicht. Spätestens bei den Diskussionen um die «Ehe für alle», über die das Stimmvolk im Herbst entscheidet, werden sich die Kirchgemeinden wieder mit der Frage beschäftigen müssen, wie politisch sie sein sollen und wollen.