Schaffhauser Reformierte wählen neuen Präsidenten

Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schaffhausen hat Wolfram Kötter zum neuen Kirchenratspräsidenten gewählt. Mehr zu reden als das unbestrittene Wahlgeschäft gab allerdings die Frage, wie sehr sich die Kirche in die Politik einmischen soll.


Es kommt nicht von ungefähr, dass sich Wolfram Kötter vor seiner Wahl zum neuen Schaffhauser Kirchenratspräsidenten zu einer alten Frage äussern musste: Soll die Kirche zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung beziehen, und wenn ja, wie?

Im vergangenen Herbst hatte der Schaffhauser Kirchenrat bekannt gegeben, dass er die Selbstbestimmungsinitiative der SVP ablehne, und war daraufhin von Politikern wie Synodalen harsch kritisiert worden. Die Episode fiel mitten in eine interne Diskussion darüber, wie sehr sich die Kirche in die Politik einmischen soll. Bereits im April 2018 fand dazu eine Aussprachesynode statt, in der darauffolgenden Winterversammlung wurde der Kirchenrat beauftragt, ein entsprechendes Dekret auszuarbeiten. Dieses wurde nun an der Synode vom 20. Juni präsentiert.

Kommission soll unterstützen

Das Dekret sieht vor, dass dem Kirchenrat in dieser umstrittenen Frage eine Kommission zur Seite gestellt wird. Sie soll aus drei Synodalen bestehen. Weiter ist festgehalten, dass «Abstimmungsparolen für die Kantonalkirche in der Regel keine geeignete Form der Äusserung in Gegenwartsfragen» sind. Wenn sich die Kirche an politischen Diskussionen beteilige, müsse dies zudem stets unter der Berücksichtigung der Tatsache geschehen, «dass Gegenwartsfragen immer auch unterschiedlich wahrgenommen werden und umstritten sein können.»

Wie die Schaffhauser Kirche mitteilt, waren die Meinungen der Synodalen zum Dekret geteilt. Während die einen es hilfreich fanden, hielten andere es für unnötig, da der Kirchenrat gemäss Kirchenverfassung bereits die entsprechenden Kompetenzen habe. Mehrfach sei zudem die Erwartung geäussert worden, Stellungnahmen sollten unabhängig von parteipolitischer Zugehörigkeit aus der christlichen Tradition heraus erarbeitet werden.

Am Ende wurde das Dekret dennoch verabschiedet. Der Kirchenrat wird nach einer zweijährigen Versuchsphase Bericht erstatten.

«Tragen gesellschaftliche Verantwortung»

Und der neue Kirchenratspräsident? Wolfram Kötter, Pfarrer in der Stadtschaffhauser Kirchgemeinde Zwingli, sagte vor seiner Wahl, die Kirche könne bei gesellschaftspolitischen Fragen nicht schweigen. «Als Kirche tragen wir gesellschaftliche Verantwortung aus einer theologischen Motivation heraus», wird er in der Mitteilung zitiert.

Kötter folgt im Amt auf Frieder Tramer, der nach acht Jahren als Kirchenratspräsident mit dieser Synode zurücktritt. Bestätigt wurden am 20. Juni ausserdem die Kirchenräte Richard Rickli, Sabine Dubach, Matthias Eichrodt und Cornelia Busenhart. (vbu)